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[OBF-420407-002-01]
Briefkorpus

56.

Dienstag, am 7. April 1942.

Herzensschätzelein! Mein lieber, allerliebster [Roland]! Herzelein!

Ach Du! Heute hast Du mich doch bald totgedrückt vor lauter Liebe! Bist sooo lieb zu mir gekommen, soo lieb! Du! Und ich danke Dir aus tiefstem Herzen dafür. Ist doch sonderbar, Du! Immer, wenn ich nachts von Kindern träume, dann erlebe ich am Tage darauf eine Freude. Und so war’s doch heute wieder, Du! Ich ging im Traume spazieren und hatte 5 kleine Kinder bei mir! Viel Spaß hatte ich mit ihnen, auch im Teich badete ich. Richtiger Sommer war, so schön! 

Und morgens, heute, als ich mit den schmutzigen Schuhen nach unten ging, um sie zu putzen, da sah ich doch schon etwas Weißes schimmern im Kasten, dabei war es erst ½ 9 Uhr! Schnell bin ich wieder hinaufgerannt und holte den Schlüssel. Hab doch gleich durch’s Fensterle erkannt, daß es die Schrift von meinem Herzlieb war. 3 liebe Boten sind gekommen! Gleich wieder 3! Ach Du! Und ich hab doch erst am 1. Feiertag 3 bekommen. Ich habe mich aber ganz sehr gefreut, Du! Und nun bin ich ganz rasch hinauf, damit ich mein Lieb anhöre, was es mir sagt. Oh Herzelein! Du Lieber! Guter! Du hast mich ja sooo lieb! O daß ich Dich doch auch allezeit so glücklich machen kann, wie Du mich beglückst! Mein Herzelein! Voller Jubel ist mein Herz! So voller Glückseligkeit! Ach!! Du!!! Ich kann’s kaum sagen — wie glücklich ich bin, Geliebter!!! Mein!!! Mein! Du mein allerliebster [Roland]! Ich liebe Dich ja sooo sehr!

Du!! Dein Verslein, Geliebter! Es ist mir ein so kostbares Geschenk! Teurer noch als all Deine Boten, in denen Du zu mir sprichst zu der Angelegenheit, die uns beide so bewegte, die zum Entschlusse drängte, die zur Entscheidung trieb. Ach Geliebter Du! Du!!!!! In Deinem Montagbrief liegt es bei, das mir nun alles sagen kann, was Dein Inneres bewegt; das mir alles zeigt, was empfindest und empfunden hast. Wie Du mich damit beglückst, Geliebter — ach, das ahnst Du vielleicht nicht! Du!!! Du!!! Du!!! Mein allerliebstes, bestes Herzensmannerli!

Und ob ich Dich recht verstehe? Deine Worte? Oh Du!! Du!!! Ich verstehe Dich so ganz, mein [Roland]! So ganz! Du! Und wie ein Aufatmen geht es durch die Zeilen, wie ein jubelndes Erkennen und Bekenntnis reiht sich das an, was ich Dir auch voller Seligkeit zurufen möchte! Du!!! Daß Du es nie vergessen kannst! Nimmermehr!!

Solange ein Atem die Brust noch bewegt,

solange das Herz noch darinnen schlägt

bist Du mein ja, mein!

bin ich Dein, ganz Dein!

in Liebe und Treue, in Freude und Schmerz;

denn Dein ist mein Herz!

Zu allen Stunden!

Du hast mich wiedergefunden!

Geliebter! Voll Dankbarkeit küsse ich Dich, Du!! Herzinnig, oh Du! Mein Herzensschatz! Oh Du!! Ich kann Dir doch nicht wehtun, und mit Vorsatz überhaupt gar nie! Ich muß Dich ja so von ganzem Herzen liebhaben, muß Dir ja nur Liebes tun und Liebes erweisen, will Dir nur Sonnenschein brin[g]en und lauter Freude! Ach mein allerliebster [Roland]! Du!!! Du weißt es ja! Du kennst mich doch, Deine [Hilde]!

Ich bin Dir so von ganzem Herzen dankbar für Dein Vertrauen, für Deine unendliche Liebe! Oh Du!! Sie ist mir ein so unersetzliches Glück! Ein so kostbares Geschenk! Du weißt es, Du! Und ich bitte den Herrgott so innig, daß er mir Dich erhalte, Du mein Ein und Alles! Mein Leben! Meine Sonne!!! Ach Geliebter! Immer wieder muß ich es erkennen zu meines Herzens tiefster Freude, zu höchstem Glücke: wie groß, wie unendlich reich und innig unser Liebesglück ist! Sag? Wo finden wir noch so reines, köstliches Glück?! Oh Du! Womit verdiene ich so reiche Gnade, daß Du mein bist? Daß Du mich so unermeßlich liebst?

Mein Lebenlang will ich Gott für diese Gnade danken. Will darum dienen immer wieder! Oh schenke uns Gott in Gnaden eine Zeit, da wir in inniger Eintracht unserer Liebe leben dürfen! Geborgen in einem guten Frieden. Wenn ich Deine große Herzensliebe so auf mir fühle, wenn ich das Drängen, das Sehnen spüre, daß Dich bewegt, mein Lieb, oh — dann erfaßt mich heißes Verlangen nach Deiner Nähe! Dann möchte ich doch am allerliebsten gleich bei Dir sein, Dich ganz lieb und fest umfassen, an Deinem Herzen ruhen und mit Dir ins Meer unsrer Liebe versinken. Oh Du! Oh mein [Roland]! Wie ich Dich liebe, liebe! Schätzelein! Herzelein! Sag? Spürst Du es, wie sich alles im Herzen dem geliebten Wesen zuwendet? Bei mir wie bei Dir. Wie alles so schmerzlich gewaltsam hindrängt zum Geliebten? Ach Du! So mächtig empfand ich es bisher immer nur, wenn sich bald die Hoffnung auf ein Wiedersehen erfüllte. Ob wir im Unterbewußtsein schon vorausfühlen, was uns das Schicksal bringt, die Zukunft? Ob sich unsre Seelen schon einstimmen wollen auf Künftiges? Es ist mir so sonderbar. Ich kann das urgewaltige Gefühl nicht übersehen — es bestimmt mein ganzes Sein! Ich fühle mich mehr denn je zu Dir hin[ge]zogen, es ist so, als zöge mich eine unsichtbare Macht hin zu Dir. Oh Geliebter! Der Vorhang in unsre Zukunft hat sich noch nicht gelüftet. Wir müssen noch wartend stehen. Ob unsre Herzen so zueinander drängen mit Urgewalt und Ungestüm, weil Trennung droht? Ob es ein Vorgefühl ist einer glücklichen Wendung unsres Geschickes? Daß wir vorausahnen und -fühlen, daß wir einander näher kommen?

Wir wissen es nicht. Wir sind ganz geduldig. Lauschen nur still dem Leben unsrer Herzen und Seelen. Es kann auch die Sehnsucht sein, die mich so innig Dich suchen läßt! Die übergroße Liebe, die kaum noch sich beschwichtigen läßt! Oh, wie sie hindrängt zu Dir! Immer nur zu Dir, mein [Roland]!!

Ganz unendlich lieb habe ich Dich! Sooooooooooooo lieb! Oh wenn Du jetzt bei mir wärst, Herzelein! Ich würde doch alles um mich her vergessen — nur Dich sähe ich, fühlte ich und nur Dich erlebte ich! Du bist meine Erfüllung! Geliebter! Du!! Mein Herzelein! Mein Goldherzelein! Mein!!! Wie lieb, wie so lieb kommst Du zu mir! Ich habe mich doch überfreut, Du! Geweint hab ich vor Glück. O Herzelein! Laß Dich umfangen, ganz herzinnig an mich drücken! Oh, laß Dich küssen — küssen und liebhaben, ganz lieb! Ach Du!!! Soviel überströmende Liebe möchte sich kund tun! Soviel Sehnsucht, Dich zu beglücken und zu beschenken mit dem Höchsten ist in mir wach! Geliebter! Ach mein Geliebter! Es ist wie in den Tagen seligsten Einsseins — alles drängt hin zu Dir — alles ist voll heißem Verlangen, Dich zu beglücken, zu beschenken! Oh Du!!! Mein [Roland]! Weit hinauslaufen möchte ich, daß meine Sehnsucht die Weite fühlte, mit dem Wind und mit den Wolken zu dir eilte, zu Dir!!! Meinem einzigen Ziel! Meiner Erfüllung! Herzelein! Ich sehne mich nach Dir! Oh ich liebe Dich! Du!!!!!!!!!!!!!! Ich liebe Dich so herzinnig!

Ach Geliebter! Geliebter! Wie arm sind meine Worte, gegen das, was ich empfinde, dieses Glück, namenlose Glück, das mir aus Deinen Zeilen entgegenleuchtet! Oh Du!!!!! Wie Du mich liebst — Wie Du mir so ganz vertraust! O liebster, allerliebster [Roland] mein! Ich danke, danke Dir für alle Deine Liebe, Deine Treue und Deine Hingabe. Ich möchte Dir doch soo gern ganz sichtbar danken! Ach Du! Es ist so schwer, weil Du mir ferne bist! Schätzelein! Liebende können sich so innig danken und heimlich lieb und zart erfreuen, beglücken, wenn sie einander nahe sind. Ach Du! Wenn Du doch erkennen möchtest aus meinem heißen Willen zu solchem Einssein, solchem Einandernahesein, wie gern ich Dir meine ganze große Liebe bezeigen wollte; wie gern so gern ich Dir beweisen wollte mit der Tat, was Du mir bist! Du!!!!! Daß Du all mein Glück bist — meine Freude! 

Du! Herzelein! Du mußt noch nicht fort zum Kursus am 20. April!? Ach, ich atme doch auf, Du! Du! Weiß nicht warum. Ich sorge mich doch um Dich, ach ja. Um Deinen Weg sorge ich mich. Und versteh mich recht, Liebster — wenn ich mich nicht sorgte, dann liebte ich Dich wohl auch nicht so heiß. Wie könnte mir Dein Weg gleichgültig sein, Du!!! Oh Du!!!!! Mein Ein und Alles. Ich weiß Dich doch so gerne ganz sicher! Genug der Qual schon, daß Du im fremden Lande bist.

Aber das soll nicht heißen, daß ich zu schwach sei, dem gewachsen zu sein, was Gott uns schickt! Oh nein! Geliebter! Du kennst mich ja auch schon und meine Kraft. Und Du brauchst gewiß nicht zu bangen, daß ich versage! Nein!! Aber eine große Erlösung ist es, wenn ich von Dir eine Nachricht erhalte, die für Deine weitere Verwendung Zeit gewinnen läßt. Wer weiß, wie es in einigen Wochen oder Monaten ausschaut? Da kann alles ein andres Bild haben und der Gedanke, daß Du dem östlichen Gebiete näherrückst — mit Deiner Versetzung nach Varna — ist nicht mehr schreckend. Aber wie es auch sei: Gott vertrauen und mutig sein, das wollen wir, Geliebter! Schon darum, daß wir alles einander erleichte[rn]! Du!! Ach, laß uns fest auf den Allmächtigen vertrauen, wir glauben, daß er uns zum Guten führt! Und wir wissen: Gott bedenkt uns nach unseren Kräften.

Und ist uns Gesundheit beschieden, dann kann uns so leicht nichts schrecken, dann setzen wir all unsre Kraft ein hindurchzukommen. O Herzelein! Unsere Liebe, sie ist doch eine unversiegliche Kraftquelle! Wenn wir sie nicht hätten, dann müßte uns wohl bange werden vor der Zukunft, richtig bange und ganz verlassen und öde schien uns dann das Leben. 

Aber nun?! Du!!! Du!!! Wir sind zu Zweien, ganz ei[ns]! Du und ich und mit uns Gott, was soll uns wohl geschehen? Mein [Roland]! Immer wieder siegt die Zuversicht und der Glauben an das Gute. Weil unsere Liebe uns hält, weil unser Leben nur einen Sinn hat, eine Richtung kennt, ein Ziel: mit Gottes Hilfe zu friedlichem Einssein!

Und dieses leuchtende Ziel zu erreichen, nehmen wir alle Sorgen und Lasten auf uns; es kann uns nichts niederdrücken in diesem Kampf im unser Glück. Die besten Waffen sind uns zu Eigen: Gottvertrauen, Gottesfurcht, Liebe, Verstehen, Wahrheit, Vertrauen zueinander. Ach Herzelein! Sei mit mir voll Zuversicht und voller Herzensfreude: wir werden es schaffen! Wir wollen hindurch, zum Sieg!

Kein lauter, schmetternder Sieg wird es uns sein. Nein, ein stiller, dankbarer, der uns aufatmen läßt und uns aus tiefster Dankbarkeit aufschauen läßt zu Gott, den [sic] Lenker aller Geschicke.

Mein Sonnenschein! Laß Dir für heute in Liebe und Dankbarkeit fest die Hände drücken! Ich muss erst mein [unklar] fassen! Du!! Ich liebe Dich! Ich küsse Dich![*] 

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Autor Hilde Nordhoff
Korrespondenz Oberfrohna
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Über den Autor

Hilde Nordhoff

Foto von Hilde Nordhoff. Nahaufnahme, Person im Sommerkleid, im Hintergrund Bäume.
Ba-OBF K01.Ff2_.A12. Hilde Nordhoff, 1940, Oberfrohna, Fotograf unbekannt, Ausschnitt aus Fotoalbum.

Hilde Nordhoff wurde 1920 als Hilde Laube in eine Arbeiterfamilie in Oberfrohna, eine Kleinstadt in Sachsen, hineingeboren. Sie arbeitete ein Jahr lang als Hausangestellte, dann in einem Trikotagenwerk.

Sie kannte Roland Nordhoff aus der Kantorei in Oberfrohna und trat sogar der evangelischen

Über die Korrespondenz

Oberfrohna

Fotografie des Brautpaars Nordhoff am Tag ihrer Hochzeit vor dem Portal der Kirche.

Das Konvolut aus Oberfrohna befindet sich gut erhalten in privaten Händen in Deutschland. Es umfasst 24 Aktenordner mit ca. 2600 Briefen, die zwischen 1 und 20 Seiten lang sind. Der Briefwechsel beginnt im Mai 1938 und dauert, mit einigen kurzen (Urlaubs bedingten) Unterbrechungen, bis Februar 1946