Sonnabend, den 11. April 1942.
Herzallerliebste mein! Geliebtes, teures Herz! Meine [Hildi]!
Da habe ich doch nun den Geburtstagsboten glücklich unter Dach und Fach. Froh bin ich. Ein klein wenig Freude möchte ich Dir bereiten damit. Diese Woche drängte die Arbeit gar sehr. Dazu drohte der Umzug. Er ist verschoben, auf nächste Woche oder später. Den gestrigen Abend habe ich benutzt und von dem heutigen ein klein Stück dazu. Heute gegen abend [sic] konnte ich die Fotos abholen. Es ist keine gute Arbeit, kriegsmäßig halt. Herzelein! Schaust Du die Freude auf unseren Urlaubsbildern? – und es war doch nur noch wenig Zeit bis zum Abschied. Davon schrieb ich Dir noch nicht, daß es jetzt nur noch 20 Tage Urlaub gibt ab Belgrad, also 22 Tage von Saloniki – das sind bei guter Verbindung 16 volle Urlaubstage. Überall knappst man etwas ab. Wenn man nur mal am Kriege selber abknappsen wollte!
Zwei liebe Boten kamen heute zu mir, zusammen mit einem von Siegfried, und aus einem Deiner Boten stieg noch ein Siegfriedbrief, ein veralteter, „brauner“. Zwei habe ich jetzt.
Meinst es sooo gut mit mir, Herzelein! Am Karfreitag hast Du so spät noch mein gedacht. Einhalb zehn Uhr habe doch auch ich die Feder wieder ergriffen, als ich aus dem Abendmahlsgottesdienst kam. Hast wieder ein paar Päckchen auf den Weg gebracht, Du Liebe, Gute. Ich war jetzt mal dabei, wie der Postbüttel den Postsack umwendete: ich verstehe nicht, daß man die Gewichtsbegrenzung nicht aufhebt. Ich denke, man tut es, um der Schickerei überhaupt Einhalt zu bieten [sic] damit.
Eben heute traf ich P.’s Verwandten wieder, er war eben vom Urlaub zurück. Er ist aber nur bis Chemnitz gekommen. Die Oberfrohnaer kämen das nächste Mal wieder dran. Er wusste von der Erkrankung D.P. [sic]
Herzlieb! Ich nehme mich gut in acht [sic] in allem.
Diese Woche ist zum Glück auch das Wachbleiben weggefallen. Wir haben neue Soldaten bekommen, die diesen Dienst versehen. Herzelein! Gestern ist auch Dein liebes Ostergeschenk angekommen, das Heinrich-Schütz-Büchlein. Du beschenkst mich so oft und lieb. Will gleich morgen darin lesen.
Heute hat die liebe Mutsch nun ihren Geburtstag. Und ich merke es: Ihr denkt mein, so wie ich Euer denke. Bald muß nun auch die Nachricht vom Eintreffen meiner Päckchen kommen. Hoffentlich erreicht Dich der Geburtstagsbote beizeiten. Am Freitag habe ich Dir also nun keinen offiziellen Boten geschickt – damit du ihn nicht vergeblich erwartest. Bist mir doch nicht bös darum? Schätz[el]ein! Bössein, das gibt es doch gar nicht zwischen uns. Wir möchten einander doch alles zuliebe tun. Und in allem, was wir tun und wenn es auch böse aussähe, wollten wir doch einander etwas zuliebe tun. Wir können nicht anders. In unserem Liebesglück hegen wir doch unser ganzes Gutsein, in ihm tragen wir alles Gute zusammen zu einem lieben Nest, zu unserem lieben Nest, Herzelein! Wie die Piepvögelein! Und Dein Mannerli ist der Vogelpapa, und Du bist die Vogelmama! Und warum tragen die Piepvöglein denn zu Neste? Nun, weil sie ein feines, warmes Nestlein haben wollen, und [wi]r möchten das allerfeinste haben, – und, und? – – ach Du! Du!!! Piep, piep, piep – ich hab Dich doch sooo lieb, sooooooooooooo lieb!!!
Weißt, unser Nestlein wird ein Schwalbennestlein, ganz zu, und rund, bloß ein kleines Schlupflöchlein drin, können nur die Schwälbchen hindurch. Und manchmal, und abends, da sperrt das Mannerli das Schlupflöchlein noch zu – und dann sind wir ganz allein – und mein Weiberl gefangen – oh, wie wird es sich da fürchten! ??? (Ich glaub‘s ja nicht!) – und so eng, so lieb und traut – versunken nun uns alle Welt – nur Du und ich – zwei Herzen, ein Schlag – eins, eins! Oh Geliebte!!!!! !!!!! !!!
Ich drücke Dich an mich, Du, mein Ein und Alles auf der Welt! Ich küsse Dich, Du! Du!!!
Ich habe Dich so lieb!
Ewig Dein [Roland]!
Roland Nordhoff
Roland Nordhoff wurde 1907 in eine bürgerliche Familie in einem ländlichen Dorf im östlichen Sachsen, Kamenz, hineingeboren. Nachdem er ein Musikstudium aufgegeben hatte, arbeitete er als Dorflehrer in Oberfrohna, nahe Chemnitz. Im Frühjahr 1938 wurde er nach Lichtenhain in Sachsen versetzt
Oberfrohna
Das Konvolut aus Oberfrohna befindet sich gut erhalten in privaten Händen in Deutschland. Es umfasst 24 Aktenordner mit ca. 2600 Briefen, die zwischen 1 und 20 Seiten lang sind. Der Briefwechsel beginnt im Mai 1938 und dauert, mit einigen kurzen (Urlaubs bedingten) Unterbrechungen, bis Februar 1946
Heinrich-Schütz-Büchlein
Hilde hat Roland ein „Heinrich-Schütz-Büchlein“ zu Ostern geschickt. Heinrich Schütz war ein deutscher Komponist des 17. Jahrhunderts und ist besonders für seine geistliche Vokalmusik bekannt.