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Briefkorpus

den 3. Mai 1941.

Meine liebe [Ella]!

Heute erhielt ich Deinen lieben Brief vom 20. April. Herzlichen Dank dafür! Jetzt habe ich tatsachlich [sic] drei Briefe von Dir, die ich überhaupt noch nicht beantwortet habe. Ich hole es eben jetzt noch [sic]; soweit es möglich ist. Der erste ist vom 4.4. 1941. Wenn ich so sagen darf, war der eine Antwort auf meinen vorangegangenen Brief. Du weißt doch [Ella], indem [sic] Du mir mitteiltest, daß es mit dem Schreiben schlechter würde, da Ihr jetzt im Frühling sehr viel im Garten zu tun hattet. Das kann ich mir vorstellen, und ich glaube es Dir auch gern. –

Jetzt zu Deinem lieben Osterbrief! Um das schlechte Gewissen mach Dir man keine Sorgen. Ich bin auch dann zufrieden wenn Du mal einen Brief überschlägst. Ich bin überhaupt ein Mensch, der in dieser Hinsicht leicht zufrieden zu stellen ist. Jedenfalls bilde ich mir das ein. Obwohl ich heimlich doch jeden Tag auf Post warte. Weil das aber ein Ding der Unmöglichkeit ist, sage ich immer, na, wenn heute nicht dann eben morgen. Und so in einem fort. Dann schreibst Du wie Du die Feiertage verlebt hast. Zu Deiner Freundin Ko Gretchen kann ich nur sagen: „Ein Glück daß ich nicht in Ihrer Haut stecke“! Am ersten Ostertag warst Du ja in Hamburg. Nun soll ich raten wo Du warst. In einem Theater wo es die Operette „Frau Luna“, von Franz L Paul Linke gab. Daß das eine pfundige Sache war, glaube ich ganz bestimmt. Ich habe das Stück zwar noch nicht gesehen, aber schon vieles daraus gehört und auch schon einiges darüber gelesen. Mensch [Ella]! wenn [sic] Du wüßtest wie gerne ich Musik höre. Wenn wir später mal zusammen eventuell uns so ein Stück ansehen würden oder werden, darfst Du Dich nicht wundern, wenn ich während der Vorstellung alles vergessen werde, selbst Dich sogar. Denn dann bin ich ganz Auge und Ohr für das, was da gespielt wird. Ich freu mich heut schon darauf.

Daß Du und Anne Euch noch am Schluß er- er [sic]zürnt habt, ist ja weniger schön. Da versteh ich Anne ja nun auch nicht. Weißt Du [Ellachen], wegen dieser, von Dir benannten „Kleinigkeit“ hätten wir beide uns ganz bestimmt nicht erzürnt. Im Gegenteil, ich hätte ja wohl garnicht [sic] die Zeit abwarten können! Schade, das [sic] ich Ostern habe nicht mit Dir verleben können. – –

So, [Ella], jetzt käm der letzte der Mohikaner. Die Post ging bis auf den letzten Brief, den ich von Dir bekam, durchweg drei bis vier Tage von Dir zu mir. Am Geburtstag des Führers haben wir eine zackige Parade hingelegt. Da ich gerade vom Geburtstag rede; ich hatte fünf Tage später, und verlebte ihn auf der Bahn in Deutschland. Nun sag mir mal [Ella], was ist das blos [sic] für einen komischen [sic] „Klaus“?!! Ist Butz ein Kosename für den Klaus, oder was bedeutet das?!! Ich verstehe blos [sic] nicht, was dieser Mensch mit Deinem Schreibparpier [sic] zu tun hat! Na jedenfalls beunruhigt mich das nicht im geringsten. Ich kann Dir nur einen Rat geben: wenn er, dieser komische Klaus, der beste ist, und er Dich dazu noch so wahnsinnig liebt, dann halt ihn nur fest, so fest Du nur irgend kannst. Denn wenn zwei sich so richtig liebhaben, [Ellachen] dann, ja dann, – na ich weiß jetzt nicht mehr, mir bleibt einfach die Spucke weg. –

Weiter schreibst Du von Ostern her hätte sich noch nichts geändert. Hat Anne Ihr [sic] Unrecht noch nicht eingesehen? Ihr habt Euch doch sonst immer gut verstanden. Wie war es in Hamburg [Ella]? Schön? Ich hoffe das Beste. –

Doch nun maln [sic] Augenblick Scherz beiseite. Dein vorletzter Absatz in diesem Brief lautet: „Bei uns ist es sonst recht langweilig. Die Soldaten sind ja alle längst fort, wir kannten doch zuletzt recht viele und vermissen sie jetzt alle sehr.“ Ich weiß nun nicht, haben diese Zeilen einen tieferen Sinn, [Ella]? Denn schließlich bin ich ja auch‘n Soldat. Nun darfst Du nicht gleich erschrecken, [Ella], wenn ich Dich jo so frage, tut das unsere [sic] Freundschaft absolut keinen Abbruch. Im Gegenteil Sie kann dadurch nur vertieft werden.

Jetzt noch einiges von mir. Liebe [Ella] ich erlebe jetzt den Frühling in diesem Jahr zum zweiten Mal. Kannst Du das begreifen? Ich kann es selber kaum fassen. Zur Zeit läuft hier gerade der Film „Ohm Krüger“. Ich werde ihn mir mal bei Gelegenheit ansehen. Im Übrigen sind die Verhältnisse hier gerade so ungefähr wie in Bergedorf. Man kann sich schon wohl fühlen.

Was machen die Bücher, [Ella]? Macht es Dir Freude, darinn zu lesen? Für mich waren es die schönsten Bücher die ich bisher je gelesen hab. Wie ich Dir schon kurz mitteilte, schickte ich sie so früh, weil sie diese Fahrt doch nicht heil überstanden hätten.

Nun sei herzlichst gegrüßt und geküßt

von Deinem

[Albert]

Der Klaus muß schon mal ein Auge zudrücken! Und ich glaube sogar, noch sehr sehr oft!!

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Autor Albert Müller
Korrespondenz Lohbrügge
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Über den Autor

Albert Müller

Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil