den 4. Juni 1941
Meine liebe [Ella]!
Herzlichen Dank für Deine liebe Pfingstkarte. Ich erhielt sie am zweiten Feiertag. Doch heute hat mir ein Kamerad aus Bergedorf einen furchtbaren Schrecken in die Knochen gejagt. Ganz dicht bei Euch sind ja Bomben gefallen! Und das schreibst Du mir garnicht [sic]? Warum nicht, [Ella]? Sogar Menschen sind dabei ums Leben gekommen? Du schriebst zwar in Deinem vorletzten Brief, daß Du Dich nun einmal dazu durchgerungen hättest, im Keller, die Stunden, die Dir noch zur Verfügung ständen, ordentlich auszunutzen. Doch daß Du derartiges erleben mußtest, davon hatte ich ja keine Ahnung, [Ella].
Jetzt verstehe ich auch, daß Du es mit Deinem vorletzten Brief ernst gemeint hast. Da ich aber sozusagen gar nicht drauf eingegangen bin, muß, und will ich es jetzt nachholen.
Über meinen 12. Brief habe ich Dir ja Aufklärung gegeben. Sicher wirst Du auch verstanden haben, wie ich zu solcher Schreibweise kam. Auch meine Einstellung zu den Mädels dürfte Dir bekannt sein. Für mich kommt nur ein Mädel, oder garkeins [sic] in Frage. Und Straßenmädels für einen Abend und so, schon garnicht [sic]. Oder glaubst Du wirklich daß sich ein anständiges Mädel auf der Straße oder auf dem Jahrmarkt oder sonstwo mit einem Soldaten einläßt? Wo Tausende herumlaufen und doch nur alle sozusagen, auf der Durchreise sind. Ich hab überhaupt kein Velangen [sic] danach, hier in der Weltgeschichte irgendwo ein Mädel zu haben! Leider sind ja genug Kammeraden [sic] dabei, die hinter jeder Schürze hinterher „müssen“. Jedenfalls bilden sie sich es ein.
Liebe [Ella]! Ich erfuhr weiterhin aus Deinem Brief, daß Du Dir Deine Freizeit so gestalten willst, daß Du auch was davon hast. Was soll ich mir darunter vorstellen, [Ella]? Das [sic] Du ins Kino, Teather [sic], Konzert oder sonstwo gehst, so oft Du nur kannst und es Dir nur Freude macht, halte ich für selbstverständlich. Das tue ich auch. Wenn ich Dich nun aber anders verstehen soll, liebe [Ella], mußt Du Dich schon klarer ausdrücken. Doch dann, meine liebe [Ella], könnte unser Verhältnis zueinander nur noch ein kameradschaftliches sein. Und das möchte ich wirklich nicht gerne. Weil ich ganz genau weiß, das [sic] jenes gar bald im Sande verlaufen wird.
Sei mir nun dieses Briefes wegen bitte nicht böse. Ich hoffe doch daß wir uns nun endgültig verstanden haben.
Es küßt Dich aufs herzlichste
Dein [Albert]
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