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[LBR-410619-005-01]
Briefkorpus

5 [*]

den 19. Juni 1941.

Liebe kleine [Ella]!

Vielen herzlichen Dank für Deinen lieben Brief 2. Gestern erhielt ich ihn.

Auf Grund Deiner Frage: wo wir uns denn kennen gelernt haben, muß ich ja noch einmal auf meinen Brief vom 4.6. zurückkommen. Besser gesagt ihn berichtigen!

Weißt Du [Ellachen], wenn Du ein Junge wärst, und ich zu Hause wär, würde ich Dir glatt den Hosenboden stramm ziehen. Allmählich mußt Du doch jetzt wissen, was ich von Dir halte und wie ich überdenke Dich denke. Das habe ich nicht nur einmal betont, sondern schon öfter. Ich habe Dir den Brief geschrieben in einer kleinen kleinen [sic] Stadt; die schon seit jeher Garnisonsstadt gewesen und auch noch ist. Zu einer Zeit wo in der und um der [sic] Stadt herum, mindestens doppelt soviel Soldaten herumlaufen, als überhaupt die ganze Stadt an Einwohnern zählt. Die meisten sind aber nur ein oder zwei Tage da. Dann geht’s wieder weiter. Wohin weiß keiner. Ein großer Teil meint nun, jetzt ist noch schnell mal Zeit, nur die Gelegenheit wahrnehmen und damit ran an die Käfers. Das [sic] da die Gefühle der Mädels sehr gemischt sind, dürfte wohl kein Wunder sein. Einigen geht schon der Hut hoch wenn sie nur ’nen Landser sehen, und andere wieder sind dann so richtig in ihrem Element. Natürlich gibt es auch hier, wie überall und wie bei jeder Sache, Ausnahmen. Wie Du jetzt sicher einsehen wirst, kann man hier unter diesen Verhältnissen, diese Stadt mit Bergedorf überhaupt nicht vergleichen. –

Solltest Du trotzdem noch irgendwelche Zweifel haben, kann ich Dir nur eins sagen: auf dem Saal haben wir uns kennen gelernt. Auch da noch wieder unter gewissen Voraussetzungen. Im Ubrigen [sic] gibt es ja das weise Sprichwort: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Nun kannst Du meinetwegen in dieser Beziehung denken und tun, was Du eben für richtig hältst.

Uber [sic] die Bilder wollen wir uns jetzt nicht mehr länger den Kopf zerbrechen. Der Fall ist erledigt. –

Daß Du uns Soldaten um das Wasser und um den schönen weißen Badestrand, ganz gleich ob in Frankreich oder sonstwo, beneidest, kann ich jetzt nur zu gut begreifen. Wenn ich dann mal auf Urlaub komme und das Wetter es erlaubt gehen wir baden so oft es nur irgend geht.

Von den Bücher [sic] kenn ich das eine: Das Dorf am Meer. Mir gefiel es sehr gut.

Du hast ganz recht wenn Du schreibst, was Du und Anne Euch erzählt habt, wenn ich mir das habe nicht denken können, man wieder vergessen soll. Angeführt, [Ellachen]! Gedacht habe iche [sic] es gleich. Nur wollt ich wissen ob meine Vermutung auch richtig war. Die Bestätigung hab ich ja jetzt.

Hat Euch denn „Unser kleiner Junge“ gut gefallen? War das Tanzbein noch nicht eingerostet?

Herzliche Grüße Dein

[Albert]

[* = von anderer Hand mit Bleistift zugefügt]

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Autor Albert Müller
Korrespondenz Lohbrügge
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Über den Autor

Albert Müller

Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil