den 19. September 1941.
Meine liebe [Ella]!
Versprochen hatte ich Dir ja, schon gleich am nächsten Tag zu schreiben. Daß da aber nichts draus geworden ist, war nicht meine Schuld.
Bei meinen Wünschen war ich ja wohl stecken geblieben. Im Grunde genommen hab ich ja blos [sic] den einen, und das wär: der Krieg müßte aus sein! Doch den Wunsch hat wohl ein jeder. Der nächste Wunsch wäre dann: schlafen nichts als schlafen. Aber so schlafen daß man nichts, aber auch rein garnichts [sic] vom Kriege mehr hört und sieht, und außerdem nur an irgend was schönes [sic] oder Liebes zu denken braucht. Doch nun wollen wir man ruhig mit der Wünscherei aufhalten; es gehen ja nicht einmal die kleinen und bescheidesten [sic] Wünsche in Erfüllung. Die Wirklichkeit sieht eben anders aus.–
Nun mal etwas ganz anderes, liebe [Ella]. Meine Gedanken sind jetzt da wo ich jetzt am liebsten sein möchte: irgendwo in der Lüneburger Heide. Dieses Mal hat die Heide geblüht, ohne daß ich es sah. Ja oft war ich sogar mitten [sic] drinn [sic], auch während sie blühte, und doch hab ich sie nicht blühen sehen. Warst Du schon einmal in der Lüneburger Heide? O, [Ella] die Heide ist immer schön. Auch dann wenn der Herbststurm, so wie jetzt gerade, schwere Regenwolken vor sich hertreibt und an den Hollunderbüschen [sic] zerrt und reißt als wollte er sie mit samt den Wurzeln ausreißen. Dann sieht man meist nur als einzige Lebewesen die großen schwarzen Vögel am Himmel, und das sind Krähen und Dohlen. Dann sind sie die Herren der Heide. Mit lautem Geschrei, daß es einem manchmal ordentlich kalt über den Rücken läuft, fliegen und kämpfen sie dann gegen den Sturm an. Wer bleibt dann der Sieger. Ich weiß es nicht. Aber am schönsten ist die Heide und wird sie auch immer bleiben wenn sie blüht. Wenn Du einmal in einer Stimmung bist wo Du nicht mit fertig werden kannst und auch keinen Menschen hast, der Dich so verstehen nskann, wie Du es willst oder nötig hast, dann gehe mal in die Heide, und wenn‘s nur für einen Tag ist. Dort wirst Du Deine Ruhe für das Herz finden und neue Kraft mit nach Hause nehmen.
Es grüßt und küßt
Dich
Dein
[Albert].
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Albert Müller
Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil