№ 26.
den 19. Oktober 1941.
Meine liebe [Ella]!
Vor 3 Tagen erhielt ich Deinen lieben Brief vom 3. Oktober. Herzlichen Dank dafür! Mit einer Nr. war er allerdings nicht versehen. Er war 13 Tage unterwegs. –
Wie es mit meinen Wünschen steht, und was ich davon halte weißt Du ja inzwischen. –
Donnerwetter! Daß [sic] ging ja fix. Da ist Dein Bruder ja jetzt mitlerweile [sic] schon ein strammer Landser geworden. Kinder, wie die Zeit vergeht. Daß Dir son Bischen komisch zumute war, als Dein Bruder die ersten Schritte tat, sozusagen in einem völlig neuen Lebensabschnitt, kann ich sehr gut verstehen. Doch gegen solche Empfindungen muß man hart, unsagbar hart sein. Ja [Ella], das weiß ich von mir selber. Es ist eben viel leichter gesagt als getan. Zuerst ist man voller jubelnder Begeisterung, aber kommt dann allmählich erst die Stunde, da der Krieg diereckt [sic] an einen herantritt, wird es anders. Aus der Begeisterung wird ein Ahnen; und hier liegt der W wunde Punkt. Und gerade dieses Ahnen läßt einen dann immer wieder aufs Neue erzittern. Aber steht man dann erstmal drin im Kampf, wird aus dem ahnen [sic] ein Wissen. Ein Wissen welches mir dann so ruhig werden läßt ich weiß garnicht [sic] wie. Und darin, glaube ich wenigstens, liegt mit die Stärke des deutschen Soldaten. Liebe [Ella], ich weiß nicht ob Du mich hier richtig verstehst, oder folgen kannst. Ich möchte Dir lediglich nur ein wenig helfen. Denn schau mal, das Letzte was wir hier haben, habt Ihr daheim weniger, oder garnicht [sic]. Ist, und soll ja auch nich [sic] Eure Aufgabe sein. Aber Ihr macht Euch viel zu viel Gedanken über uns, die wir draußen im Felde sind oder gehen. Von 1000 Kugeln trifft nicht eine. Daß [sic], oder so ähnlich sagtest sagtest [sic] Du ja auch. Meine Mutter macht sich auch immer soviel [sic] Gedanken um mich. Sie schreibt es zwar nicht; aber in jedem Brief von Ihr, stehts ja hunderfach [sic] zwischen den Zeilen. Ich habe es schon so oft versucht, ihr auf andere Gedanken zu bringen, es sind nun schon so gut wie zwei Jahre, aber immer vergebens. Welche Mutter ist in diesen Zeiten wohl nicht besorgt um Ihre [sic] Söhne? –Mi
Gestern war ein gewaltiges Fest bei uns im Bunker. Ein Kamerad hatte „Hochzeit“. Hatte Ferntrauung gemacht. Alles hatte sich die größte Mühe gegeben, um den [sic] Tag ein festliches Gepräge zu geben. Aber nee [Ella] ich hätt in dem Kammeraden [sic] seine Haut nicht stecken mögen. Was ist schon eine Hochzeit ohne Braut und ohne Getränke? Es wollte und wollte einfach keine Hochzeitsstimmung aufkommen, bis dann endlich zu guterletzt [sic] doch noch einige Pullen Schnaps herbei geschafft wurden. So wurde wenigstens zum Schluß noch ordentlich „Remmi – Demmi“ gemacht.Schups
Es grüßt herzlichst liebe [Ella] Dein
[Albert]
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Albert Müller
Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil