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[LBR-411024-005-01]
Briefkorpus

den 24. Oktober 1941.

Meine liebe [Ella]!

Du denkst sicher auch: der Kerl schmiert sich aber was zusammen. Dann schreibt er mal mit Tinte und dann wieder mit Blei. – Ich hab leider nur Russentinte, und die taugt absolut nichts. So ab und zu packt mir [sic] dann mal die Wut, kann Dir sagen dann fliegt sie aber!!! – Daher dieses Durcheinander. –

Nun aber zu Deinen Briefen. Die Sache, Gretchen und mein Brief, ist vorbei. Es sollte doch kein Vorwurf sein. Und von aufregen? nicht die Spur; danach dürftest Du meinen damaligen Brief nicht ganz richtig verstanden haben. Ist ja auch f vollkommen unwichtig, da jetzt noch viel Worte drüber zu verlieren. Jedenfalls ich glaube doch, Dich in der Sache richtig verstanden zu haben. Und damit Schluß. –

Jetzt bist Du ja wohl auch noch eine „aktive“ Sportlering geworden. Donnerwetter! Das haut ja mächtig auf den Zeiger. Und dann gleich so große Erfolge! 8 - 0 Alle Achtung! Aber mit Deinem Schnupfen und den [sic] Muskelkater ist es ja so ‘ne Sache, wenn Du weiter nichts zu bieten hast, dann danke ich großzügig. Seh man zu wie Du ihn wieder los wirst. Hoffendlich [sic] recht bald!

Daß Du für den Urlaub beide Daumen hältst, ist ja sehr nett. Hoffendlich [sic] dauert‘s nicht mehr so lange.

Nun zu dem Päckchen. Ich erhielt es vorgestern abend [sic] mit noch einem zusammen das von meinnen [sic] Eltern kam. Ich dachte ja, sie kämen beide von zu Hause. Hatten beide dieselbe Größe. Doch wie ich sie dann aufmache, und kucke [sic], fällt mir gleich was auf. Erstens war bei dem Einen [sic] die Verpackung ganz anders, und zweitens war ja in dem Einen [sic] „Kuchen“ drin! Da wurde ich ja stutzig. Auf Ich kuck auf den Absender und da hätte [sic] ich denn die Bescherung. Mensch [Ella]! Du glaubst ja garnicht [sic] wie ich mich da gefreut habe. Kuchen hab ich zuletzt in Königsberg gegessen. Das war als wir noch in Deutschland waren! Ist schon bald garnicht [sic] mehr wahr! Und wie der erst schmeckt! Einen hab ich noch, den heb ich mir noch erstmal auf. Denn werd ich dann essen wenn wir hier die Siegesparade kloppen!

Und demn Brief N 23 bekam ich gestern.

Auf die Reeperbahn in Hamburg möchte ich ja auch mal wieder. Aber ich glaub es ist besser Du kommst dann mit. Ich seh nämlich sonst schwarz - - Daß [sic] heißt wenn wir unsern Koch loswerden könnten, und dafür käm ein fesches Mädel her – wär nicht schlecht. Kannst ja mal Dein Glück versuchen!– Die ander [sic] Hälfte Deines Briefes beantworte ich morgen oder übermorgen.

Es grüßt recht herzlich liebe [Ella],

Dein [Albert]

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Autor Albert Müller
Korrespondenz Lohbrügge
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Über den Autor

Albert Müller

Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil