Hbg Lohbrügge d. 2.3.42
Mein lieber [Albert]!
heute erhielt ich nach langem, einmal wieder Post von Dir, hab mich wirklich gefreut. Eigendlich [sic] muß ich ja böse sein, Nacht und Tag denkt man, was ist da nun blos los, und Du machst Dich einfach ein Vergnügen daraus, das ist ja garnicht zu entschuldigen.
Weißt Du [Albert], ich weiß mit unter wirklich nicht was ich vor Dir, bzw Du von mir denkst. Da schreib ich nun schon ein volles Jahr an Dir, und ich hab mich immer gefreut, wenn ich nur Anlaß dazu hatte und über jeden Brief von Dir, war ich immer hoch beglückt, zwar habe ich nicht die Natur, in allem nur Glück und Freude zu sehen, und bin auch ni [sic] der Meinung, das es ohne mich vielleicht alles anders gekommen wäre ich leide nun ein son bischen an Minderheitsgefühl, ich ziehe mich lieber zu früh, als zu spät zurück, ich weiß auch das es oft garnicht richtig ist, doch mir raubt es oft die Sicherheit was soll ich blos [sic] auf Deine Frage antworten. ob ich eine Ehe ablehne, sag mal [Albert], gibt es so etwas über habt? Du weißt doch so gut wie ich, das [sic] ich Kinder schrecklich gern habe und ich glaube die Hoffnung selbst einmal welche zu besitzen, werde ich ni [sic] los, doch [Albert] was erzähl ich Dir das, wir kommen immer wieder auf das „aber“ wir kennen uns ja garnicht [sic] richtig. gazn Habe ich nicht schon mehr versprochen wie ich vielleicht im Stande bin zu halten, ja und dann Deine Ansprüche. Dafür hab ich ja so Hast D angst. Ich muß beina [sic] lachen, wenn Du schreibst in einem Jahr nach dem Kriege will und muß ich verheiratet sein, das Du da [sic] willst kann ich verstehen, aber das Du das mußt kann ich nicht begreifen. Ja und dann werdet Ihr Männer ja auch reichlich Gelegenheit haben, Frauen zu finden, all die jungen Kriegerwitwen. mit Möbel und Geld, was fragt man dann noch nach einem jungen Mädel, was sitzen geblieben ist, ist ja dann auch gleich wer es ist. Ich weiß das [sic] ich es zu Hause gut, so gar mit unter zu gut hab, und das ich es ni [sic] besser wieder bekommen kann und doch lehne ich eine Ehe nicht ab, doch möchte ich ni [sic] eine Ehe eingehen, weil es vielleich [sic] kein zurück mehr gibt, ich möchte, so wie mein Patner [sic], g bis zum letzen Augeblik [sic] freie Wahl haben, doch leider ist dieses in vielen Fällen mirnicht mehr der Fall.i
Ach warum glaubst Du mir denn nicht, daß ich Dich lieb hab, wirklich ganz doll lieb.
Kurz zu Deinem Brief № 16 Das Stündchen mit Gretchen sollst Du haben, doch verspreche Dich nicht zu viel davon wir sind Freundin [sic], weißt Du ja. Am Sonntag fahr ich wieder einmal zu Ihr, kann ja dann gleich Deinen Wunsch äußern. Sie wird sicher verständniß [sic] dafür haben, denn Sie möchte Dich auch zu gerne kennen lernen. en Die Zug geschichte hab ich schon ganz vergessen, na ich will lieber aufpassen, daß das selbe nicht noch einmal geschiet [sic].Z
Was die Filme betrifft, hab ich heute Morgen meine mit zur Post gegeben, ob ich noch welche angeln kann weiß ich nicht, ich selbst hab meinen Kasten schon lange nicht mehr gebraucht, doch Anne hat mir vor einem halben Jahr noch welche angeboten. Sie hat eine Quelle, wenn ich Sie treffe werd ich einmal darann [sic] denken.
Das mit Eure Kino ist ja schade, wie war denn das blos möglich. Die Sonne hat heut bei uns E so schön geschinen [sic] das es so gar Wasser zusehen gab doch nun friert es schon wieder, garnicht schön für die Bäume, da gehen wohl noch wieder viele ein. Men Bruder schreibt heute auch Sie sind jetzt auf der Fahrt in’s („Gelobte Land“)sch
Heute erhielt ich einen Brief, von den kleinen Freiwilligen, ich war einfach plat [sic], ja, ja, so sind die Männer, erst halten Sie einen vor, das man so wie man ist, nicht richtig ist, und später wird dann das Mädel bewundert. Ich glaub die haben eine schwere Zeit hinter sich, von 1 Kompani [sic] sind noch 12 Mann übrig, Sie liegen bei Feodosia [*], jetzt als Küstenschutzt [sic].
Sonnabend sind in Wentorf Edelweiß-Soldaten angekommen, am Sonntag soll die ganze Stadt voll gelaufen haben, das war sicher für viele Mädels etwas neues, na, angucken muß ich mir die auch noch einmal, hätte ja eigendlich [sic] auch meine Schneiderei liegen lassen können, und wäre einmal in die Stadt gegangen, doch wer weiß wofür es so gut ist, ich spar mir mein liebesbedürfniß auf, wenn Du kommst, oder darf ich das nicht, doch jetzt Schluß, will noch zum Turnen und die Uhr ist schon gleich sieben.
Herzliche Grüße aus der Heimat sendet Dir
lieber [Albert]
Deine kleine [Ella].
[* Feodossija]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil