Hbg Lohbrügge 4.3.1942
Lieber [Albert],
muß mich wohl endlich einmal bemühen Deinen lieben Brief zu beantworten, ich erhielt gleich am andern Tage noch zwei, den vom 18 + 21.2. hab mich sehr gefreut, alles hab ich erwartet, doch dies nicht, den ganzen Tag hab ich hier rum gehüpt, so hab ich mich gefreut, und dabei beina [sic] das wieder schreiben vergessen.wied
Wegen den Krähenbraten rege Dich man nicht auf, denn die Tiere sollen garnicht so schlecht schmecken, wenn sie noch jung sind, na, und was sagen die Ausländer immer, kaufe Katze, große und kleine, zahle viel Geld, na, denen wünsche ich viel Spaß, unser Musch ist uns dazu zu schade, das euch das Pferdefleisch geschmeckt hat, glaub ich, hab zwar erst einmal was gegessen, doch ich finde auch es schmeckt gut.
So Du rennst auch immer nach Post, bin ich es wenigstens nicht ganz allein, wenn ich den Postbote nicht gesehen habe, finde ich keine ruhe, wenn ich auch weiß, heute erhalte ich sicher nichts. Essen kannst Du scheinbar ja dann gut, doch das kommt wohl weil man nicht alles kriegt, was man möchte, viel haben wir ni [sic] gegessen, doch dafür umso besser, weißt Du was ich will, wenn es wieder alles frei zu kaufen gibt, ich will ein ganzes ℔ Schokolade essen und ein ℔ Käse, darauf hab ich solchen Hunger, das sagt nun nicht, daß wir davon nicht bekommen, ich werde mal sehen, wieviel Pfannkuchen Du essen kannst, 10 Stück krieg ich auch auf.
Nun zu Deinen lieben Brief vom 21.2. Ein Glück das [sic] die Päckchen da sind, brauch ich doch wenigstens keine Angst haben, das [sic] sie wieder kommen, das der Kuchen noch so gut geschmeckt hat, kann ich kaum glauben, den [sic] der war doch schon bald 7 Wochen alt.
Ob mein Vater nicht raucht, fragst Du, doch, der raucht auch, doch Du wirst lachen, er ißt eben so gerne Schokolade wie mein Bruder und ich, ja und wie ich Dir die Zigarren geschickt habe, hatten wir sie in so rauen Mengen, mein Bruder war doch in Holland, hat immer nach geschoben, zu ärgern brauchst Dich wirklich nicht darüber, wenn Du welche von mir erhälst, dann braucht keiner darunter zu leiden, auch mein Vater nicht.
Die alten Briefe soll ich verbrennen, ne, mein Junge, das tu ich nicht, weißt Du, wenn Du erst wieder bei mir bist, und wir Zeit haben, wollen wir sie alle noch einmal lesen, ich stell mir das einfach schon jetzt zum lachen vor, oder ob Du dann auch noch die Meinungen vertreten wirst, wie einst! und dann was soll ich lesen wenn ich alles verbrenne und einmal keine Post von Dir erhalte!
Wenn Du mich mit unter in meinen Briefen nicht ganz verstehst, mag [sic] nichts [Albert], ich glaub ich werde mich selbst nicht verstehen wenn ich die Brief [sic] noch einmal lesen dürfte. Ich glaub, das kommt nur davon weil ich nicht weiß, was ich eigendlich [sic] will, ja mein lieber Junge, da hast Du mir vieles voraus, Du hast in Liebe erfahrung, ich nicht, wie sich das wohl einmal er gänzt, ich werd das dumme Gefühl nicht los, das auch mir einmal eine große Enttäuschung bevor steht. Ach, wenn Du erst auf Urlaub warst, werden wir ja schon um vieles reicher, doch nun muß ich schließen. die Uhr ist schon gleich 10 vorbei und ein paar Apfelsinen will ich schnell noch essen Doch Dir wünsch ich alles Gute und viele liebe Grüße und Küsse vonja
Deiner kleinen [Ella]
Eben erhielt ich Deinen Lieben Brief vom 23.2. Da hab ich den Brief noch einmal wieder auf gemacht. Das es mit der Ablösung nichts wird, hab ich mich gleich gedacht, den [sic] viele von denen, die erst Anfang Janua [sic] hier weg gekommen sind, sind heute schon verwundet, oder gefallen, wer sollte den [sic] wohl Euch Kerntruppen ablösen, ja, gesehen hätt ich ja zu gerne, wenn Du gekommen wärst, doch das bringt nun der Krieg eben einmal so mit sich. Von meinen Bruder haben wir die letze Post vom 21.2, in Königsberg sind Sie seitdem nicht mehr, vielleicht ist er ja schon in Deiner Nähe eingetroffen.
Bei uns ist heut wieder richtig Winter, es schneit und stürmt, wenn nur erst der Schnee weg ist, dann kommen bald die Schneeglöckchen aus der Erde, und dann wird es ganz sicher bald Frühling werden.
Nach Gretchen fahre ich nicht mehr, muß Korbball spielen, drück den Daumen, das wir wieder gewinnen, auch für Dich halt ich beide Daumen, für Urlaub und auch sonst wird schon alles schief gehen!
Nochmals herzliche Grüße [Ella]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil