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[LBR-420312-006-01]
Briefkorpus

№ 26

Hbg Lohbrügge d 12.3.42

Lieber [Albert]

vielen Dank für Deinen lieben Brief vom 25.2, ich erhielt ihn gestern Morgen. Ich bin auch der Ansicht, das was wir uns jetzt noch zu sagen haben, machen wir lieber persönlich ab, na, ich bin ja gespannt was da wohl für ein brief raus kommt, oder nicht, denn das Leben beruht ja nur auf gegenseitigkeit. Zwei Turnkameradinnen, haben mich Sonntag schon ganz bange gemacht, doch man darf ja nicht alles über einen Kamm gehen lassen, und warum soll es mir so ergehen, wie Ihnen. Zwar war das Gespräch nicht für mich bestimmt, doch ich glaube, als Warnung wär es auch für mich garnicht so unangebracht.

Gestern und Heute sind die Edelweiß Soldaten nun alle wieder weg gekommen, o, waren das eine Mänge, ich sollt doch nicht mit damit denen aus. Eine Frage: was macht eigendlich Dein unbekanntes Mädel aus Ostpreußen, Du schreibst garnichts mehr davon, sie schreibt doch hoffendlich noch? Ich habe von meinem unbekannten Soldaten jetzt auch wieder Post, die letze war vom Dezember, Sie sind auch von Frankreich nach Rußland gekommen. Der Bengen hat sich in den Kopf gesetzt, er will mich in seinen Urlaub besuchen, na der wird ja noch eine weile dauern, bin ja gespannt, wie der wohl aussieht, groß scheint er, dem Bild nach, ja zu sein.

Zu allem Unglück, erhielt ich nun heute Morgen auch noch einen Brief, von Magdalene aus Wansbeck, 1 ganzes Jahr war sie schon bald nicht mehr bei mir, und nun wo ich zu Gretchen will, kommt alles mich besuchen, muß ich einmal wieder einen Korb austeilen, Du ich freu mich ja schon so auf Sonntag. Jetzt bin ich wieder ein paar Tage allein. Mutti ist nach Lüneburg, doch sie kommt Sonntag schon wieder, hat auch keine ruhe, mein Bruder hat immer noch nicht geschrieben. Weißt Du, was ich koche, wenn ich allein bin, immer Wurzel, ich esse die für mein Leben gern, und sonst ißt sie keiner bei uns gern.

Ob es wohl noch einmal Frühling wird, heute Nacht hat hatten wir wieder 5° kälte, und geschneit hat es heut morgen, als wenn bald Weihnachten und nicht Ostern ist. Der Winter macht uns was zu schaffen, drei Tage haben wir schon keine Kartoffel mehr, und das jetzt schon, wann gibt es noch neue Kartoffel, vor mitte April können wir doch keine pflanzen. Ja, Ja der Krieg macht sich bemerkbar, an allen enden, wenn Du Schuhe brauchst, darfst erst einreichen wenn keine mehr anzuziehen hast, und dann dauert es 1 - 2 ½ Jahre, bis Du welche kriegst, was man dann wohl die Zeit anziehen soll, na, mich können die nicht meinen ich gehe einfach auf Holzpantoffel, denn dafür ist Krieg, doch ohne essen kommen wir ja nun leider nicht ganz aus, doch wir hoffen ja alle, das der Kram bald ein Ende nimmt, und im Sommer ist ja alles viel erträglicher Ich kann mir garnichtn denken, wer diesen Krieg einmal ver antworten wird und soll, so viel Elend über die Menschen zu bringen, denn jeder hat doch ein Recht auf sein Leben.

Heute haben wir wieder kleine Schafe bekommen, Du nidlich sind die.

Warum Du die Stirn über meine Karte gerunzelt hast, kann ich nicht verstehen, mein Bruder hätte mir sicher die Karte wieder geschickt und hätte darunter geschrieben, mist ist das, doch Du bist doch nach meiner meinung gern Soldat. Doch wenn Dir die Karte Spaß gemacht hat, schick ich Dir noch mehr davon.

Beim Zahnartzt war ich diese Tage auch, der war so nett zu mir, ich glaube, netter kannst Du auch nicht zu mir sein, der hat mir noch ni etwas zu leide getahn, ich weiß nicht warum die Leute immer auf Ihn schimpfen, ich gehe hundert mal lieber zum Zahnartzt als zum andern, denn da muß man sich immer gleich ausziehen, na, man kann ja froh sein, wenn man beide Sorten meiden kann. Doch nun weiß ich wirklich nichts mehr, geschrieben wurde dieser Brief mit vielen Unterbrechungen, na, da sieht es ja auch nach aus, muß immer zum Laden gehen, und sagen, bedaure Kartoffel haben wir nicht, wie lange es wohl noch gut geht, dann werden die Leute ungeduldig, denn Hunger tut bekanntlich weh, doch ich hoffe ja, das der Händler noch welche bringt.

Dir wünsch ich aus der Heimat alles Gute, und
sei herzlich gegüßt und vielmals geküßt
von Deiner [Ella].

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Autor Ella Müller
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Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil