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[LBR-420317-006-01]
Briefkorpus

26 ?

Hbg Lohbrügge d. 17.3.42

Lieber [Albert],

ich will den heutigen Abend, einmal dazu benutzen, Dir einen Brief zu schreiben, denn wer selbst nicht schreibt kann ja auch keine Post wieder verlangen und an der Zeit wärs auch schon, wieder, doch Du weißt ja, immer kommt wieder etwas anderes dazwischen, gestern gab´s Kochfisch, heut gab´s Räucherfisch und anders wo Kochklopse. Das Wetter war auch frühlingsmäßig, also nichts wie hin, doch das hat sich gelohnt, ich hab von allem etwas abbekommen, nur erstanden, mußte es im wahrsten Sinne des Wortes, werden, doch die Sonne lachte ja dazu, und das war gut so. Bei meinem Zahnartzt, wo ich auch war, wie Du ja schon weißt, bin ich schon wieder fertig, der kann immer nicht recht was finden, und jagt mich immer gleich wieder vort, und ich wäre doch sogar, noch einmal, zu ihm gegangen.

Morgen will ich nun noch meiner Tante zu nähen, und wenn ich dann am Donnerstag wieder komme, hab ich ja hoffendlich auch Post von Dir. o, [Albert] dieses warten scheint mit unter unerträglich, und doch weiß ich, daß ich von Dir immer viel, und auch verhältnismäßig schnell Post erhalte, und doch sind 14 Tage bei mir eine Zeit von Ewigkeit. Ja, ich sag mir so oft, wann wird es wohl sein, wann werden wir uns wohl einmal wieder sehen? ob es wohl dieses Jahr noch sein wird? ob wir uns wohl überhabt wieder kennen? komisch wird es aufin jedem Fall sein, denn wir kennen uns ja so gut wie garnicht, doch freuen tu ich mich jetzt schon sehr darauf.

Sonntag war ich nun bei Gretchen, haben uns endlich einmal „Lanher auf Urlaub“ angesehen, war nett, alle Verwante sollte der liebe Mann Schuhe mit bringen, zum Lachen war es aber sehr. Nur das fahren nach Hbg macht kein Spaß mehr, alle Züge sind überfüllt, und abens kannst nicht wieder raus kommen, es fahren ja auch zu wenig Züge, und dann alle die Soldaten wollen auch nicht im Dorf bleiben.

Jetzt sind in Wentorf Soldaten, zum weg lachen, alles ältere, haben sich beschwert, daß Sie nicht aus Ihrem Kochgeschirr essen wollen sie wollen einen ordentlichen Teller, na, wenn die einmal raus kommen, wo man draus ißt, ist ja gleich was nutzt mir ein Teller, wenn ich nichts darauf habe, am 29. März ist ja Tag der Deutschen Wehrmacht, da geht es wieder in die Kaserne, ob/es wieder so nett wird, wie im Vorjahr, wir kennen dies mal keine, doch nun sei herzliche Grüßt und Küße

Deine [Ella]

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Autor Ella Müller
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Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil