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[LBR-420407-005-01]
Briefkorpus

1

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Im Osten, den 7.4.1942.

Meine liebe [Ella]!

Gestern bekam ich Deinen lieben Brief 29. geschrieben am 28.3.42.

Was soll ich Dir nun darauf antworten? Hab ich eigentlich ja schon in meinem vorigen Brief getan. Ich weiß, [Ella]chen, das Warten fällt schwer. Die Zeit wird lang – unsagbar lang. Gestern erzählte ein Urlauber seine Erlebnisse und Eindrücke aus der Heimat. Unter anderem auch über die Frauen in der Heimat und Ihre Treue. Was der erzählte kann ich nicht glauben. Daher schreibe ich´s Dir auch garnicht erst. Du bist ja in der Heimat und siehst ja je selbst was los ist. Wir wollen uns da drüber klar sein, brauchen ja nicht gerade von uns zu reden.

Gehn wir mal zur Infanterie. Die Jungens stehen jetzt bald ein volles Jahr im Kampf, haben den Tod täglich vor Augen, denen fällt auch das Warten schwer. Die haben auch eine Frau oder ein Mädel zu Hause das, oder die sie lieb haben. In der Heimat gibts Rundfunk, Kino, Teater [sic] und was weiß ich – ich finde es überflüssig darüber zu reden – ich möcht mal wissen wem es schwerer fällt, treu zu bleiben – Wie Du es nun in Zukunft

2.

halten willst, liebe [Ella], überlasse ich Dir. Für Dich mag es ja Ansichtssache sein, mit Soldaten auszugehen. Du bist ja Dein freier Mann, und brauchst Dich mir gegenüber in keiner Weise verpflichtet zu fühlen. Doch der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht. Kuck mal [Ella], das stimmt, ich weiß wie wir zueinander stehen. Ich hab Dir [sic] nun schon so oft gebeten mir nicht zu schreiben das [sic] Du mit einem Soldaten aus gewesen bist oder von einem Post bekommen hast. Ich bin da in dieser Zeit einfach nicht für aufnahmefähig. Versteh das doch. Du bist nun so ehrlich und schreibst mir das. Wie weit Du in so einem Fall zu gehen hast weißt Du ja selbst, und ich glaube auch, zu wissen, wie weit Du gehst. Und trotzdem beunruhigt es mich.

Damit gaub [sic] ich, dürften wir uns auf diesem Gebiet verstanden haben. Frag doch mal Gretchen, was die dazu sagt.

So liebe [Ella] nun schlaf recht gut und träum recht süß. Aber wenn ich mal auf Urlaub kommen sollte, wenns dann man nicht umgekehrt kommt denn dann möcht ich meine [Ella] um mich haben. Viele Grüße u. Küsse D. [Albert]

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Autor Albert Müller
Korrespondenz Lohbrügge
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Über den Autor

Albert Müller

Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil

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