Hbg Lohbrügge d 7.4.42
Lieber [Albert],
heute erhielt ich Deine lieben Briefe, vom 24. + 29 März, hast leider pech gehabt, kammen beide zusammen hier an, so konnte der am 24ten geschriebene, leider seine beabsichtigte wirkung nicht voll bringen, ob er es über habt getahn hätte, wäre ja zwar eine Frage für sich.
Weißt Du [Albert], dieses mal hast Du Dich aber viel eingebildet, ich wollt Dich garnicht eifersüchtig machen, ich habe es damals so neben bei geschrieben, weil ich gerade am selben Tag, auch vom Unbekannten Soldaten einen Brief bekam, wenn ich das natürlich gewußt hätte, hätte ich davon garnichts geschrieben, ich hab ja geglaubt Du wärst ein ganz klein wenig schlauer, als wie all die Soldaten sonst, na, da sehe ich ja für die kommenden Briefe sehr schwarz, denn da hab ich es in einer Hinsicht noch schlimmer gemacht. Hörmal lieber [Albert], ich möcht Dich wirklich nicht verlieren, doch Du weißt ja, es ist immer falsch einen lieben Menschen halten zu wollen, dieses hat ja auch schon die Erfahrung gelernt, ich mein nun mein Lieber wenn Dir wirklich so viel darann liegt, das ich den Soldaten schreibe, will ich Dir zu liebe gern nach lassen, aber weißt, Du, es war wirklich nichts schlechtes dabei. Ich glaube, ich hatte doch recht s als ich einmal schrieb, Du willt mich scheinbar mit Macht los sein, nach dem letzten Brief ist es wieder der Fall, sonst brauchst Du mir ja ein Wort, was ich Dir einmal gab, nicht wieder zurück geben, denn ich hab es gern gegeben, doch ich werd es zurücknehmen und mich da nach zu ver halten wissen!! Da wirst Du noch Dein Wunder erleben!!da
So damit wäre nun erstmal der teil erledigt, und da mit waren wir wohl wieder auf dem Rückweg. Schade finde ich nur, das wir das Ziel garnicht erst erreicht haben, ich hätte es mir schon so schön gedacht, aber darann ist ja einmal wieder die blöde Eifersucht schuld, oder viel mehr der Krieg, denn ich glaube ja, nicht, wenn Du hier den wärst oder wir uns nur ein bischen kennen würden, das es so weit gekommen wäre. Ja mich Eifersüchtig zu machen, das gibwart man lieber auf, denn da stößt auf sehr viel Kälte. Weißt wo ich eifersüchtig drauf bin auf dieses Mädel, was Du ein sehr gern hättes, ich weiß ja, das Du mir gleich gesagt hast, das Du ni wieder ein Mädel so lieb haben kannst, aber [Albert] ich möcht nicht das Du da runter leides, und auch ich nicht, sicher findes Du das Mädel irgendwo wieder, und dann kann doch für Dich noch ales gut werden, es ist wohl so im Leben, jeder Mensch muß wohl eine Enttäuschung hinter sich haben und sehen das er damit fertig wird.t
Nun aber Schluß mit dem Tema, und ein wenig zu Ostern, hoffendlich ist Deine Osterstimmung auch noch auf gekommen. Hier war das Wetter einfach herrlich. Ich traf Tudi E. am ersten Feiertag in Bergedorf, doch auszufressen war da leider nichts, Soldaten waren viel zu alt, da können wir ja man lieber mit unsere Väter ausgehen, sagt Tudi immer, zum Abendbrot haben wir uns dann bei meine Mutti zum Eier essen eingestellt. Am zweiten Feiertag waren wir dann nach Hbg, doch auch dort war alles über voll, zwar fanden wir bei Bertram platz, doch im großen und ganzen, war es auch dort sehr langweilig so, daß wir schon auf der Fahrt nach Bergedorf an nahmen, nichts vom Oster gehabt zu haben, doch es sollte anders kommen, auf dem Wege zur Schloss Clause, mußten wir mit einer Taufe von oben vorlieb nehmen, doch wir hatten glück es ging ein wenig daneben, na die Sache mußte ja auf den Grundgegangen werden, wie sich herraus stellte waren es Kinder die von Ihren Eltern eingeschlossen waren, und so Ihre Langeweile verkürsten, wir haben uns dieses Schauspier eine ganze Stunde mit angesehen, viele vorüber gehende mußten eine Taufe mit in Kauf nehmen, und wir haben vor vergnügen immer mit gelach, ob die Betrofende nun schimpften, das machte den Jungens daoben garnichts aus, bis der Schupo selbst herbei gerufen wurde, eine Taufe mußte auch er erst noch in Kauf nehmen, doch dann machte den Unfug ein Ende, schDoch doch wir sind auf unser Vergnügen gekommen, wenn es auch etwas seltendes wahr, ich glaub ja wir selbst nicht, das die Eltern sich über Ihre Jungen am anderen Tag gefreut haben.sebst
Ich kann einfach nicht begreifen das es im Rußland kein Sommer werden will, bei uns ist jetzt richtig Früling, ich habe heute schon im Sommer-Kleid draußen gearbeitet so warm ist es und jetzt geht ein Gewitter vorrüber das hätte natürlich nicht nötig getan.
Doch nun weiß ich nichts mehr, und freuen auf unser zu sammen sein brauch ich mich ja dann auch nicht mehr, doch da rann läßt sich ja im Augenblick nichts ändern, also halt Dich munter und lasse es Dir gut gehen es grüßth
Deine [Ella]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil