Bitte warten...

[LBR-420416-005-01]
Briefkorpus

Im Osten, am 16.4.1942.

Liebe [Ella]!

Heute bekam ich Deinen Brief vom 7.4.42. Er trug die 31. Ich muß bloß mit dem Kopf schütteln. Ich möchte blos [sic] mal wissen, an was Du gedacht hast als Du mir diesen Brief geschrieben hast. An die Gegenwart bestimmt nicht. Du scheinst vergessen zu haben was ich Dir im Winter als wir sozusagen in Ruhestellung lagen, geschrieben habe. Ich bat Dich damals u.a. [*] mir nichts von Männern zu schreiben, ganz gleich in welcher Art und Weise diese zu Dir standen oder stehen. Darunter fallen auch die Soldaten! Du empfandst das als ungerecht, nicht nett von mir. Ich will davon aber nichts wissen!!! Scheinbar hieltest Du die Sache für „unbedeutend“. Das Ergebnis haben wir ja jetzt.

Ich kann Dir in dieser Zeit nicht so schreiben wie ich will und gar zu gern möchte. Ich hab jetzt seit 3 Nächten kaum mehr geschlafen. Ich bin müde wie ein verprügelter Hund.

Wenn Du es nicht glaubst das ich Dich lieb hab, dann geh doch. Redest dauernd was: ich will Dich mit Gewalt

2

los werden. So ein Unsinn!!! Es ist ja sinnlos, sich nun gegenseitig Vorhaltungen zu machen. Das führt von einem Mißverständnis ins andere. Und wenn Du immer noch glaubst ich hänge an dem Mädel von damals, dann geb ich Dir mein Ehrenwort: sie Dir bei Gelegenheit mit eigenen Augen anzusehen in meiner Gegenwart. Ich bin keiner von denen der sagt: heut hab ich Dich lieb und morgen eine andere. Solltest Dich schämen, mir son Schtuß zu schreiben.

Denn, sonst fällste da scheinbar doch nicht drauf. Heute wäre es bald um Haaresbreite geschehen gewesen und wir hätten uns nie wieder gesehen. Aus Mitleid brauchst mir nicht wieder zu schreiben ich komm auch ohne dem aus.

Wenn nun daran unsere Liebe in die Brüche geht, brauchen wir darüber nicht traurig sein, denn dann ist es garkeine gewesen.

Ja [Ella], ich frag mich auch, reden so zwei Menschen miteinander, die sich lieben? Ich finde, da hat man sich doch ganz was anderes zu sagen. Und so wirds auch kommen. Auf Regen folgt der Sonnenschein. –

Nun schlaf recht gut und für mich gleich ´n Bischen mit –

In alter Frische Dein

[Albert]

[* = am linken Seitenrand eingefügt]

Karte
Kommentare
Einordnung
Gesendet am
Gesendet aus
Autor Albert Müller
Korrespondenz Lohbrügge
Gesendet nach
Über den Autor

Albert Müller

Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil

Schlagworte