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[LBR-420416-006-01]
Briefkorpus

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Hbg Lohbrügge d 16.4.42

Mein lieber [Albert],

ich bin ganz glücklich denn heute erhielt ich wieder einen Brief von Dir. Eigendlich war er ja garnicht sosehr zum glücklich sein, mit dem Urlauber hätte ich ja noch ein Hühnchen zurupfen, na, ich kann mir ja denken das es nichts gutes war, was er Dir da über uns Frauen b.z.w Mädel erzählt, hat, ich bedauere Ihn nun sehr, daß er so schlechte erfahrung gemacht, doch wenn er die auch noch die Front mit teilt, ist er sicher auch nicht viel besser? – Weißt Du so schlimm ist es nun wieder nicht, es hat ja schon immer zwei sorten  von Frauen gegeben und keine wird heute anders sein, wie vor dem Krieg, oder zumindesten so änlich, doch ehrlich gesagt, was geht das mir an, wenn die Ihre Männer betrügen, ich sehe das eben nicht und ich glaube, es wäre besser, wenn Du es auch nicht hören würdes, denn was geht das uns an, die Wirklichkeit wird ja hoffendlich Deiner dieser Meinungen nicht entsprechen. Ja und sonst glaub ich nicht, das die Mädel schlechter sind wie viele Männer.

Recht hast Du, wir Mädel daheim sind wohl größeren anfechtungen aus gesetzt, wie ich das nun in Zukunft halten werde, genau wie immer! mein Vorsatzt ist, ich will ein ordentliches Mädel bleiben, das bin ich meinen Eltern und mich selbst schuldig, und das werd ich halten, unter jeder voraussetzung, was auch kommen, ich werde die Männer meiden, so weit es möglich ist , doch sonst nett und freundlich zu Ihnen sein. So ich brauche Dir mich Dir gegen über nicht verpflichtet zu fühlen, wenn ich das nun aber doch tu? was machts dann mit mich, schimpfs doch nicht etwar?

Was Gretchen betrifft, will ich doch lieber mit den Fragen nicht zu Ihr gehen, denn daß weiß ich schon heute da krieg ich noch ausgeschimpft zu.

Der Schluß Deines lieben Briefes, lieb und nett doch begreif ich das nicht, ganz, wenn Du auf Urlaub kommst willst Deine [Ella] um Dich haben, und in den vorigen Briefen verzichtes Du auf alles – – na da muß ich erst einmal drüber schlafen. Heute hü und morgen hot! –

Sonntag ist nun in Lohbrügge Jahrmarkt, Gretchen und Magdalene kommen mich besuchen, Anne habe ich auch eingeladen, ob Sie kommt? Zu Markt geht Sie ja sicher! Sonntag morgen muß ich noch zum Korbball spielen. Die Sommerspiele gehen jetzt mit macht los, denn bei uns ist jetzt richtig Sommer, doch den April kann man ja nicht trauen, arbeit gibt es jetzt im überfluß und gestern kam auch noch das Holz, für den Winter, als wenn wir weiter nichts zu tun hätten, als schon wieder an den Winter zu denken, doch was wir haben, haben wir.

Mit Deinen Nummern bist wohl durch einander gekommen, doch mag nichts, fang man bei 1 wieder an, denn so weit kann man ja auch nicht zählen, ich tu am 1.5. das selbe, Doch nun sei vielmals gegrüßt und geküßt von einem Menschen, der Dich doch ein wenig lieb hat. Deine [Ella]

[*] Wenn ich jetzt den Brief lese, muß ich lachen, denn schreiben wollt ich Dir ganz etwas anderes, aber wie so oft, nichts daraus geworden. E.

[* = am linken Seitenrand von oben nach unten angefügt]

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Autor Ella Müller
Korrespondenz Lohbrügge
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Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil