№ 35
Hbg Lohbrügge d 20.04.42
Mein lieber [Albert],
eigendlich [sic] wollt ich schon gestern schreiben, doch ich fand keine Minute dazu. Morgens war ich wieder wieder Korbball spielen, fein, Du, wir haben alle Spiele gewonnen. Die Wentorf-Reinbeker haben sich aber eine kleine Packung geholt, also der Anfang war bei beiden Manschaften [sic] war sehr gut, am 2. Mai geht es nun nach Hbg, hoffendlich [sic] bleibt uns das Glück holt [sic].
Am Nachmittag hatte ich ja Besuch, war sehr nett, von Gretchen soll ich Dir sagen, daß ich gestern ganz braf [sic] war, ich war doch in Ihrer Geselschaft [sic]. Auf dem Markt haben wir uns nicht auf gehalten, da war´s so vol, vor lauter Staub, konnte man drei Meter sehenl
Das Wetter war ja auch viel zu schön, und so haben wir uns abseitz [sic], von allen Trubel, ein wenig gesonnt, weißt Du es war doch viel viel schöner so, und alles ohne Geld, die Natur ist eben viel großzügiger als wir oft meinen, Gretchen hatte auch noch Gedicht von Georg mit . gebracht, ich fand es sehr nidlich [sic], hab es abgeschrieben leg es Dir bei [*], vielleicht kennst Du es ja schon, laß man, Georg ist in Ordnung, hoffendlich [sic] kriegt er bald seinen so lang ersehnten Urlaub, er heiratet so wie so schon in jeden Brief, – sagt Gretchen – Magdalene´s Freund hat schon fünf Wochen nicht geschrieben, auch seine Eltern haben keine Post. Jetzt wirst Du vielleicht lachen und sagen, da habt Ihr wohl wieder alles gründlich durch genommen, solche Klatschbasen? Doch laß uns man uns uns gehen doch jetzt die Soldaten in Rußland, am meisten an.man
Gestern Abend und heut Nachmittag hat es nun geregnet, und es ist als hätten alle Bäume und Sträucher ein grünes Kleid angezogen, o, wenn Du nun auch noch hier wärst, dann wäre ich wirklich wunsch los glücklich, hoffendlich [sic] brauche ich nicht mehr so lange auf das Glück und Wunder zu warten! Es war gestern so schön daß ich am liebsten baden gegangen wäre, aber ich glaube das Wasser ist wohl doch noch ein bischen kald [sic], da nimmt man doch lieber die Wanne. Will mal sehen ob Kähte [sic] nicht wieder mit mir geht, in Ihre Obhut fühl ich mich immer so wohl, Sie ist so vernümfdig [sic]. Anne hab ich gestern Abend auch noch gesehen, Sie kammen [sic] aus Hbg und waren nun wieder hir [sic] bei uns, auf Jacht [sic], so zusagen auf Rangjacht, ich gön [sic] ja wirklich keinen Menschen etwas schlechtes, doch die müßte ja mal, meinet wegen von einem Haubtmann [sic] so vertig [sic] gemacht werden, das [sic] Sie auf ewig keinen mehr ansieht, jetzt bleibt Sie noch immer stehen, und sieht solche nach, in dem Fall kann ich Sie nicht begreifen was Sie wohl blos [sic] an solches Tier schon findet!o
Ja mein lieber [Albert] schreiben will ich Dir, ja jedes mal [sic] etwas ganz anderes, und viel nettes und doch bin ich froh, das ich es immer nicht getan hab. Das kommt wohl, das ich bei einem schreiben [sic] noch nach denken, wie das wohl wird, wenn Du ein mal hier bist, oder darf ich dann 10 Minuten später auch schon wieder anderer Meinung sein? Doch nun sei herzlichst gegrüßt und geküß [sic]
Deine [Ella]
[* = Gedicht als Anlage ist nicht erhalten geblieben]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil