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[LBR-420425-006-01]
Briefkorpus

N 36

Hbg Lohbrügge d 25.4.42

Mein lieber [Albert],

eben komme ich nun von Jochen´s Geburtstag, und ein schlechtes Gewissen habe ich Dir gegenüber auch. Es ist schon wieder eine Woche her, das ich zu letzt geschrieben habe, doch die Arbeit wächst einen jetzt bald über den Kopf, wenn auch alles nur aus kleinig-keiten besteht, so will es doch alles in die Hand genommen werden. Deine liebe Karte habe ich heute Morgen erhalten, weißt Du, ich bin wirklich mit einer Karte zu frieden, ich weiß ja, das Du Dein moglichstes tust und wirklich keine Zeit hast zum schreiben. Mein Bruder rechnet auch schon mit seiner entlassung. weißt Du ich gön Ihn das noch nicht, denn da liegt er trocken und warm, doch was hielft es alles, einmal muß er ja doch wieder raus und dann ist es ja Sache des Schicksals, was geschied, Du weißt ja, Gott läd uns jeden Menschen so viel Last auf, wie er im stande ist zu tragen, denn er ist nicht Feind, sondern Freund der Menschen, wenn man auch mit unter an seine Güte zweifeln könnte, doch den Glauben an eine komende schöne Zeit lassen wir nun doch nicht rauben.

Eben spielt das Radio „hörst Du mein heimliches rufen“ ob Du es auch hörst? Dann soll es Dir zum Geburtstag sein, und sonst wünsch das Du etwas ganz feines nettes träumst, und das dann auch in erfüllung geht. vor einem Jahr hast Du Dir sicher auch nicht träumen lassen, auf der Bahnfahrt durch Deutschland, daß Du heute in Rußland im dicksten Dreck bist sick doch auch das geht vorbei, heute er hielten wir von einen Kameraden, von Werner, Post, Sie stehen bis am Bauch in Wasser, und er hat sich schon drei Wochen nicht mehr gewaschen und gekämmt, na, da muß ich wohl wenn B Du einmal auf Urlaub kommst eine Wanne mit Wasser bereit stellen.

Am letzten Dienstag war Anne ganz unverhofft bei mir, ich hab mich so gefreut, ich dachte schon gedacht unsere Freundschaft ginge in die Brüche doch es hat wohl doch nur an mir gelegen. Wir waren dann noch gemeinsam noch einmal über den Markt, und damit wäre wohl wieder alles in Butter. Gestern abend ereignete sich auf dem Jahrmarkt, ein bedauertes Unglück. Aus der Raketenbahn löste sich ein Wagen und flog in die Mänge es sind 6 sehr schwer Verletzte und über 50zig leichte, ich bin froh, das ich selbst nicht da war denn so ein anblick ist ja bestimmt nicht erfreulich

Doch nun will ich mich zurück ziehen und in Bett noch einwenig in Gedanken von Dir träumen oder darf ich das nicht.

Morgen habe ich Mutti versprochen, im Garten zu helfen, doch wenn es so kald ist wie heut kneif ich, Dir wünsch ich bis zum nächsten Mal alles Gute, und die herzlichsten Grüße und Küsse von Deiner [Ella].

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Autor Ella Müller
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Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil