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[LBR-420429-006-01]
Briefkorpus

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Hbg Lohbrügge d 29.4.1942

Mein lieber [Albert],

ich hatte Dir ja zwar versprochen, mit schreiben nicht wieder so lange zu warten, doch nun ist schon bei na [sic] wieder eine Woche vergangen, und immer kommt wieder etwas anderes dazwischen, ja was soll ich Dir denn auch schreiben, ich komme ja aus unserem Garten und Laden garnicht [sic] heraus und dort kann vor Klälte [sic] auch nicht viel wachsen, die Veilchen lassen jedoch in ihrem blühen garnicht stören. Der Wind kommt immer noch so kalt aus dem Osten, den können wir im augenblick [sic] garnicht [sic] gebrauchen, regen ware uns lieber.

Ob der Tommi nun wohl heute nacht [sic] wohl auch wieder kommt. hoffendlich [sic] kommen die nicht auch einmal bei uns so, wie in Rostock und Lübeck, bis jetzt haben wir ja kaum und garnichts [sic] davon gemerkt doch sicher haben sie da auch noch etwas anderes gesucht, aus [sic] nur Kirchen und Denkmäler? Was sagst Du zu der Reichstagsrede, ich finde das war eine enttäuschung [sic], denn der Rede nach, ist soll es ja im kommenden Winter noch nicht zu Ende sein, mir wäre lieber gewesen, ich hätte das ni [sic] gewußt, was haben wir nur verbrochen, das [sic] Gott seinen ganzen Zorn über uns ausschüttet, doch [Albert], wir wollen ja nicht klagen, man kann sich ja ein Beispiel an Euch, da draußen, nehmen, wir wissen ja garnicht [sic] wie Ihr durch müßt, doch einmal geht auch das vorbei. O, ich möchte Dich nur einmal eine zeit bei mir haben, und so richtig ver wöhnen, so wie ich es einst mit meinem Bruder gemacht habe und auch wieder mache, wenn er nur erst hier wäre, zum Schluß sagt er dann immer, wenn ich mir meine Schwester aus suchen könnte, hatt ich eine andere genommen.

Weißt Du was wir heut gegessen haben, Eierkuchen mit Bickbeeren, ja, da hätts sicher gern mit gehalten, wo Mutti da 8 Eiern [sic] angekriegt hat, und ich hatt Dir ja gar zu gern welche ab ge geben, aber wie?

Ja sonst gibt es wohl nichts neues, nur eins könnt ich mir schön vorstellen, wenn Du jetzt bei mir wärst, doch das fällt ja alles weg wegen Nebel, da-rum sei auch so vielmals gegrüßt und geküßt Deine [Ella]

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Autor Ella Müller
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Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil