Hbg. Lohbrügge d. 3.5.42
Lieber [Albert],
heute erhielt ich nun auch Deinen lieben Brief vom 23.4. habe mich sehr dazu gefreut. Ich glaube über das Tema [sic] brauchen wir nicht mehr zu reden, begriffen hab ich Dich, glaub es wenigstens, schon sehr lange, doch ich will es und kann das doch nicht glauben, na, der Urlaub wird Dir sicher eine andere Meinung geben, frag doch einmal meine Kousine [sic], was die alles nettes über mich weiß, also nim [sic] Dich in acht, sonst bist Du am Ende der Dumme. Um noch einmal auf die Bedingung zurück zu kommen, [Albert], das hab ich aber wirklich nicht gewußt, das [sic] Du so viel darunter verstehst, da hättest Du aber wirklich deutlicher sein müssen, wie konnte ich das auch darunter verstehen, wo wir uns doch so gut wie garnicht [sic] kennen. Du magst ja sicher aus erfahrung wissen, wie solche Soldatenfreundschaften oft enden, mir tun die Jungens meist leid, wo sollen sie hin und man kann doch mit ein paar freundlichen Worte über viel langeweile hinweg helfen, auhtdo denn darüber bin ich mir klar, jeder von den Jungens hat zu Haus ein Mädel oder seine Frau von fest bleiben braucht hier garnicht [sic] die Rede sein, die Leidtragenden wären wir ja in jedem Falle selbst. Doch leider gibt es noch immer Mädel die anderer Ansicht sind, gestern erzählt mir eine Spielkameradin noch ein Ding, das war wirklich nicht mehr schön und wenn sie dann nicht mehr weiter können, wollen die sich vergiften, das ist ja kein Kunststück, das kann doch jeder. na werd [sic] sind die auch nicht das [sic] sie noch leben. Doch sonst werd ich Deinen lieben Brief Befehlsgemäß volge [sic] leisten
Doch nun muß ich Dir mal etwas ganz feines erzählen, wir haben Urlauberbesuch, kannst Dir denken wer! Mein Brüderchen ist gestern Mittag 14 Tage auf Urlaub gekommen, Du wir haben uns so gefreut und vor Freude so gar geweint so haben wir uns erschrocken, ich glaub den Tag werden wir so schnell nicht vergessen, denn so etwas hat man ja nicht alle Tage. Er ist dann gleich mit mir zu Gretchen gewesen, na kannst Dir denken die waren genau so weg, Werner sagt auch, da mußt nun erst eine Reise nach Rußland machen, und Dir so ein par [sic] Splitter in den Körper jagen lassen, um nur einmal Urlaub zu kriegen, er meint er hat großes Glück gehabt, das er über haubt nach Deutschland gekommen ist. Doch er ch meint ihm hat es doch ganz Gut gefallen ihr Schef [sic] war gut, der sagte immer solange wie der Lanser [sic] meutert, ist nichts verlohren, nur der Haus hohe Schnee hätt nicht sein dürfen, der liebe Gott hat eben noch einmal den Daumen dazwischen gehalten, sonst wäre er jetzt nicht hier. Doch nun wollen wir erst einmal Kaffe trinken und dann mit meinem Brüderchen noch ein wenig in´s Kino. er will ja diese Woche auf passen das ich keine Dumheiten mache.h
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil