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Briefkorpus

N. 4

Hbg Lohbrügge d. 15.5.42

Mein lieber [Albert],

es ist wohl wirklich einmal an der Zeit, daß ich schreibe, doch Du mußt entschuldigen, die Tage vergehen wie im fluge, morgen ist nun schon wieder mein Bruders letzter Urlaubstag. Sonntag geht es ab nach Düsseldorf, hoffendlich braucht er nicht gleich wieder raus.

Du [Albert], am 14.5. erhielt ich einen Brief vom 16.4. von Dir, doch leider kann ich mich für mein Verbrechen nicht einmal entschuldigen, denn ich weiß nicht einmal was ich im Brief vom 7.4. geschrieben habe, doch böse war es ganz sicher nicht gemeint, ja schämen muß ich mich Dir gegenüber sehr, oft, ich bin nun einmal nicht so ein guter Mensch, wie Du, und dann kommt immer wieder dazu, daß wir uns viel zu wenig kennen, und ich es nicht glauben kann das Du mich wirklich so lieb hast, doch nun reg Dich bitte nicht darüber auf, geschrieben hast Du mir wirklich genug darüber, und ich hab Dich auch immer besser verstanden wie ich zugegeben habe, doch wir sind nun einmal so, wenn wir unser Vertrauen schenken, nehmen wir es nicht wieder und [Albert] ich hab Dich in den Jahren wo wir uns geschrieben haben, wirklich lieb gewonnen, und ich möchte Dich wirklich nicht verlieren, Du schreibst nun so einfach wenn ich es nicht glaube daß Du mich lieb hast, soll ich gehen, sehr schön gesagt doch ich kann leider nicht wenn ich auch wollte, das heißt ja in den eigenen Finger schneiden.

Ja ich bin wirklich ein Unmensch, das ich Dir immer wieder etwas von andern Männern schreibe, ich kann jedoch wirklich nicht begreifen warum Du so eifersüchtig bist, erstens besteht mein Briefwechsel nur mit Unbekannten Soldaten, und meinst Du etwar, das ich auch einmal an hoch Mut leide, wenn so ein Stabsfeldwebel schreibt, wie Anne. Doch ich will es nie wieder tun, nur noch wenn Du es einmal verlangst, wenn Du jedoch Angst hast, das da sich etwas anbahnt, kannst die Briefe ungeöfnet haben, ich glaub dann wirst staunen, denn für Dumheiten hab ich jetzt schon garkeine Zeit mehr, Anne und Tudi E. schreiben das selbe, weißt ja Arbeit macht das Leben süß, und doch will ich am Sonntag die Escheburger, ein wenig bei der Arbeit auf halten, sonst werden Sie am Ende noch zu reich.

Bei uns im Garten ist es jetzt eine Pracht, alle Bäume stehen in voller Blühte, doch auch mit Regen und Sonnenschein wird auch die Arbeit größer, doch laß sein wie will, wir arbeiten für Omi Frieda und nicht für den Krieg.

Du meinst nun Mittleid brauch ich mit Dir nicht zu haben, schade ist nur, das Du in dem Fall auf dem Holz-weg bist, recht hast Du ja, zwei Menschen die sich lieb haben, haben sich wirklich etwas viel schöneres zu sagen, aber wie sparen wir uns das also auf für später, doch nun muß auch ich an´s schlafen gehen denken, wenn Mutter wüßte das ich noch schreibe. Hoffendlich erhalte ich bald einmal etwas neue Post von Dir, es grüßt und küßt

Deine [Ella]

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Autor Ella Müller
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Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil