Bitte warten...
Briefkorpus

Hbg Lohbrügge d 21.5.42

Lieber [Albert],

ich weiß wirklich nicht worann ich bin, hab ich Dir wieder einmal Unrecht getan, und Dein Stolz verletzt, oder bist Du mir wirklich so böse, daß Du garnicht wieder schreibst, es fehlen noch 3 Tage an einen follen Monat, ich weiß wirklich nicht was ich davon halten soll, wie mein Bruder noch hier war, hab ich die Zeit garnicht so lange empfunden, doch diese Woche bringt mir ein wenig zum Verzweifeln, was ist da denn blos los. Du schreibst doch Du wärst nicht mehr ganz fvorn, oder hat sich das auch schon wieder geändert?

Werner ist nun am Sonntag Mittag wieder weg gefahren, Gretchen und ich haben ihn bis nach Hbg gebracht, zwei junge Mädchen, wenn er dann kein Glück hat, meint Mutti, Du der ist jetzt schon dicker mein ich, das macht das gute Leben bein Soldaten, 15 hat er zu genommen, da kannst wirklich staunen.

Am Sonntag Nachmittag war ich dann ja auf Wunsch von Anne, in Escheburg. Du da gab es wieder viel neues von Annes Freunde, doch das kann ich Dir nicht alles schreiben, und es besteht dann die Gefahr, das Du Anne auslachst, so wie ich es getan hab, o, o, glaub mal einen Soldaten, dann bist schon wieder rein gefallen, wir alle, nicht nur Anne, sind ja gespannt wie das noch ein mal endet, warum sie wohl gerade den haben will. Der nach meiner Ansicht nicht mehr zu haben ist. Sie soll man lieber den nehmen, der Sie möcht. Weißt Du Karl Sch. wollte Sie doch so gern, doch sie muß ja selbst wissen was sie tut, so lange Sie mich in ruhe läßt, lach ich mit, es wäre ja wirklich schade, wenn ich mich einmal mit Anne, um einen Mann, erzürnen sollt. Na Tudi hat Anne ja schon weit überholt, Ihr Freund war da, und hat Sie besucht, damit wäre also das Verhältnis mit Kurt Kurt wohl auf gehoben. Doch nun um Gottes Willen erzähl das nicht in alle Welt, denn Anne bringt mich um, wenn sie erfährt, das ich es auch noch weiter erzählt habe, auch das von Tudi nicht.

Bei uns ist es nun wirklich sol Sommer geworden, die Bäume stehen in voller Pracht, so schön wird er f der Garten so schnell nicht wieder, schade, daß Du nicht hier sein kannst, Pfingsten will ich ein par Stunden in diesem Blütenparadies träumen, für den Nachmittag hat sich unser Klaus wieder an gemeldet, ich warte nun blos darauf, daß auch Du Dich bald ein mal anmeldest. Oder kommst Du so? Hier bei uns min sind im Augenblick viele aus Rußland, auf Urlaub, vielleicht kommst auch Du bald, Du ich warte schon so, und freu mich schon so darauf. Na nun will ich man weiter auf Post warten, einmal wird ja wieder etwas dabei sein, doch jetzt will ich schlafen, denn Morgen ist wieder ein Tag mit Arbeit angefüllt, wenn ich heute darann denke, wird mir schon ganz schwarz, doch Dir wünsch ich noch viele, viele ruhige Tage und eine baltige gesunde Heimkehr

es grüßt und küßt Deine [Ella]

Karte
Kommentare
Einordnung
Gesendet am
Gesendet aus
Autor Ella Müller
Korrespondenz Lohbrügge
Gesendet nach
Erwähnte Orte
Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil