№ 7
Hbg Lohbrügge d 2.6.42
Mein lieber [Albert],
Du denkst wohl auch, daß [sic] ist aber eine treulose Tomate, schreibt nicht einmal, doch ich hatte wirklich keine Zeit. Mutti ist wieder ein par [sic] Tage krank gewesen, und da war ich immer froh, wenn ich alle Arbeit allein schaffen konnte, gestern abend wollt ich nun auf jeden Fall schreiben, doch ich war mit dem pletten [sic] erst um Mitternacht fertig, und zum schreiben nicht ein bischen mehr auf gelegt, denn heut morgen wollte ich unser Schäfchen auf seine Reise begleiten, er sollte nach Schnakenbek, da komme ich nun eben her und will nun auch den versprochenen Brief schreiben.
Deinen lieben Brief vom 29.5.42 habe ich erhalten, ich danke Dir recht herzlich dafür.
So verbrochen habe ich nichts, ich weiß denn aber nicht, warum Du mir so einen Brief geschrieben hast, denn der war doch wirklich zum Weinen.
Was Forier [sic] ist, weiß ich natürlich nicht, denn ich war noch nicht beim Soldaten, wenn nun mein Brüderchen hier wär, hätt ich so lange gefragt bis ich alles gewußt hätte, ich ersehe jedoch aus Deiner Schilderung, daß es sehr angenhem [sic] ist. Darum halt den Posten man fest, vielleicht lernst Du bei gelegen heit [sic] auch etwas von der Kochkunst wer weiß wo für Du es mal gebrauchen kannst – !
Scheinbar gefällt es Dir ja auch sonst bei den neuen Kameraden sehr gut.
Ja die Buchen sind ja bei uns schon lange grün, und die Bäume haben längst ausgeblüht, es geht also mit macht [sic] auf den Sommer. Du meinst nun die Buchen wären besonders hübsch, vielleicht weil sie in Deutschland wachsen, und besonders bei euch in Escheburg, ich finde ja Tannen und Birken geben eben so ein hübsches Bild, ich finde dieses Dunkel und Helle paßt herrlich zusammen. Ja und zum Schluß bist Du ja wieder beim Urlaub angekommen, na laß man lieber Junge, sein wie´s will, einmal kommt der Urlaub, was Du jedoch unter festnageln verstehst, ist mir schleierhaft, vielleicht weiß ich es ja wenn Du hier warst, ich hab mir vor genommen nicht so giftig zu sein wie h sonst, und ein guter Vorsatz ist bekanntlich der D erste Weg zur Besserung, wenn ich das nun bis dahin vergessen sollte, kannst mich da rann [sic] erinnern.b
Sonntag hatte ich nun Gretchen Magdalene Anne und noch einige Turn Kameradinnen zum Kaffe eingeladen, doch Anne hatt wie immer, am Sonnabend ab geschrieben, die lade ich nicht wieder ein, da macht man sich ja lächerlich, na, die soll mich kennen lernen, doch mir liegt so etwas nicht und kann es auch nicht ertragen, wenn ich etwas verspreche wird es auch gehalten. Mit Gretchen´s Hochzeit ist immer noch nichts, Ihren Georg können Die auch immer noch nicht entberen [sic]. Also wartet Sie noch auf Ihn und auch Du mußt kommen, denn Scheine für Möbel gibs nicht, vielleicht kannst Du ja da abhilfe schaffen. Denn was nutzt ein die feine Wohnung, ohne Möbel.in
Doch jetzt will ich schliessen, und das versäumte nach holen, viele liebe Grüße und noch vieles vieles [sic] mehr
von Deiner [Ella]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil