N 8
Hbg Lohbrügge d 4.6.42
Mein lieber [Albert]!
Heute erhielt ich nun 2 Briefe von Dir, den von 22.5. und von 28.5. Hab recht vielen Dank dafür.
Also geht es, wenn man die Päckchen an einander bindet, Werner meint so etwas würde bei der Post nicht geduldet, doch ich finde, sie sparen dabei, Zeit und Arbeit.
So Du meinst ich müßt im Urlaub aufpassen, daß mein Herz nicht in Flammen auf geht, wenn Du da man nicht daneben geschossen hast, da bin ich ja selbst noch bei, doch es kann ja anders kommen, als man denkt, doch dann wirst Du ganz sicher am wenigsten davon merken. Im Zoo war war ich auch schon mal, doch ob die Affen verliebt waren, weiß ich nicht mehr. Wir können uns ja in Deinen Urlaub einmal son Ding ansehen, doch weg lachen werd ich mich ganz sicher nicht, denn, dann haben wir ja wieder nichts von ein ander. Was jedoch verliebt sein mit einem alten Haus zu tun hat, da muß ich erst einmal über nach denken.
Dein andrer Brief hat wohl das selbe Tema, Urlaub und Liebe, ja lieber [Albert], ich beneide Dich oft, wie Du es fertig bringst, mir immer so liebe nette Briefe zu schreiben ich zum Beispiel bring es ni fertig, doch man kann nun einmal aus seiner Haut nicht heraus, na, ich mein nur, ich halte auch beide Daumen, daß es in Deinem Urlaub gerade so wird, wie Du es Dir immer gedacht hast, Du meinst also, daß ich mich über meine Zukunft Gedanken, na hör mal, davon weiß ich bis jetzt selbst noch nichts, zwar hat Gretchen an meinem Geburtstag gesagt, jetzt wäre ich ja 21 und dürfte auch einen eigenen Willen haben, doch Du wenn ich ehrlich bin, den hab ich schon lange gehabt und so wie es kommen soll kommt doch, und so wird es auch mit uns beiden kommen, Du hast ja selbst gesagt, und wenn Du Dich noch so gegen alles zur Wehr setzt, Du kannst den Schluß nicht ändern. Denn [Albert] ich wollte doch auch nicht Dir anfangen daß wirst Du doch selbst noch wissen, ich hatte mir doch alles ganz anders gedacht, doch jetzt freu ich mich immer, daß Du zu mir hällst, doch ich glaub die Grübellein liegen auf Deiner Seite, ich habe ja auch garkeine Zeit dazu. Es wäre also nur noch Zweierlei, wo rauf wir warten, ersten´s auf Deinen Urlaub und dann auf den Frieden. Doch auf den Frieden müssen wir wohl noch sehr lange warten, ich frag mich immer, wird es überhaubt noch einmal wieder Frieden und damit schön auf Erden, es sieht jetzt garnicht danach aus. Doch ich hoffe das der Urlaub dafür umso schneller kommt, was willst Du denn aber die drei Wochen machen, wenn Du Zeit hast denk mal da über nach, doch nun muß ich schnell noch den Garten giessen es war heute sehr warm und meine Blümchen haben Durstsiht
Es grüßt und küßt vielen mal
Deine [Ella]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil