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[LBR-420612-006-01]
Briefkorpus

№ 10

Hbg Lohbrügge d. 12.6.42

Mein lieber [Albert],

Es regnet heut abend bei uns, in strömen, doch fein, den Regen können wir brauchen, und damit finde ich auch Gelegenheit, Dir zu schreiben, zu Ernten wird es wohl in diesem Jahr nicht viel geben, die Bäume haben ja so schön geblüht, doch nun kommt die Kirschkrankheit dazwischen, und es scheint alle Arbeit war vergebens, wenn man nur ein Mittel dagegen hätte, die Apfelbäume sind alle verlaust, die sind sicher vom Paradis ein geschlept, und in der letzten Nacht sind auch noch teilweise Bohnen erfroren, bei uns leider auch welche, wenn es so weiter geht, haben wir im Winter nicht einmal Heu zu beissen und wenn bis dahin der Krieg noch zu Ende gehen soll, muß wohl noch ein Wunder geschehen. Ich finde die ganze Welt ist zum weinen, so wie jetzt der Himmel weint, ob der wohl weiß, das Krieg ist und viele Menschen nicht einmal etwas zu essen haben. Ich war heute bei Käthe, sie hatte Geburtstag, doch im vorigen Jahr hat es noch bis zum Kuchen gereicht, doch in diesem Jahr nicht mehr zum satt essen, was sind wir blos für glückliche Menschen, die noch genug haben, doch auch bei uns darf der Krieg nicht mehr sehr lange dauern.

Anne war gestern auch bei mir, ja da staunst, ganz von allein gekommen, eingeladen hätte ich Sie auch nicht. Weißt Du eigendlich wollt ich Dir ja ni viel über Anne schreiben. Sie schimpft über Gisela, weil die so unzuverlässig ist, und ich glaube Sie selbst, ist auch nicht viel besser und dann erst all die lieben Männer, ich hab immer gedacht, ich bring es weit, mit meinen drein, die ich schreibe, doch auf 12 hab ich es ni gebracht, und man behüte mich davor, das es einmal so weit kommt, weißt Du [Albert], nur ein Dummes ist da bei, es ist eigendlich [sic] keiner dabei, der richtig zu Anne paßt, meint Sie wenigstens. Du ich möcht Sie so gern helfen, doch sie vertritt den Grundsatz, ich will nicht den Mann der mich will, sondern den, den ich will und kurz gesagt, der will Sie nicht. ich finde die Auffassung nun einmal falsch, denn gegen Bestimmung kann kein Mensch an. Anne meint nun immer, ich bin zu genau in solchen Sachen, und doch fragt sie mich immer wieder um Rat, nun soll ich wieder mit Ihr reisen, doch reisen ist im Kriege nicht gestattet, auch wenn ein Mädel einen Mann sucht. Ich hab Anne mit unter recht gern, so wie man eben ein Mädel haben kann. Doch ich glaub, Ihr geht es zu gut, und was die Männer anbetrifft, hat sie ein kleinen Hochmutsvogel. Doch dagegen helfen wohl keine Pillen, oder weißt Du da ein gutes Hausmittel? Doch nun bitte ich Dich, schreib bitte nichts davon an zu Hause, und auch nicht an Walter, denn sonst bin ich am Ende wieder die Dumme, und ich glaube, Anne hat Walter doch ganz gern. Herbert L. war ja auch 14 Tage auf Urlaub, und was meinst Du, Anne ist wieder abends mit Ihm nach Haus gegangen, wo Sie doch nichts, wie sie auch heute noch sagt, mit Ihm zu tun haben will, hört da nicht die Gemüdlichkeit auf, ein Glück, daß ich mich nicht mit all so was rumschlagen brauch, ich hab ja Dich. Heut reicht der Platz nicht einmal für ein par liebe Worte, doch wenn ich jetzt schlafen gehe hör ich dem Klopfen auf Fenster zu und dann er zähl ich Dir eine feine Geschichte, ob Du wohl zuhörst

[Ella]

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Autor Ella Müller
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Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil