Bitte warten...

[LBR-420616-006-01]
Briefkorpus

11

Hbg Lohbrügge d 16.6.42

Mein lieber [Albert],

Deinen lieben Brief vom 10.6.42 dankent [sic] erhalten, hab mich wieder sehr dazu gefreut. Von schlecht drann [sic] sein kann ja wohl nicht die Rede sein. ich fühl mich bei meiner Arbeit, viel wohler als sonst, Du ich hab ehrlich gesagt für das nichts tun mehr Angst, als für das zu viel. Nun hab ich mich gerade so gefreut, das ich ein wenig Zeit hab zum schreiben, doch Mutti sagt ich muß erst die Schafe holen, na, dann lasse Dir bis dahin die Zeit nicht lang werden. in 1 Stunde geht es wieder weiter –

So nun kann es wieder weiter gehen. Von Fliegern haben wir in Hbg schon vom 2 Mai nichts mehr gehört und gesehen, hab auch kein verlangen danach, meinet wegen brauchen Sie nicht wieder kommen, schenk ihnen dann auch etwas schönes, und dann erst das Vergnügen, dafür hab ich ja wieder garkeine Zeit und kein Geld, ja Geld schon, denn davon gibt es ja im Augenblick genug, doch das Sparkassenbuch freut sich auch, wenn es einmal ordendlich [sic] etwas zu essen kriegt, wenn nur das Geld seinen Wert behält, und das wollen wir ja hoffen und es nicht so kommt wie es eins meine Mutter ging. Im Großen und Ganzen geht es mir sicher eben so gut wie Dir, ich bin zu Hause, hab bis heute satt zu Essen wenn ich auch nicht gerade dicker dabei werde. Das ging ja wohl auch zu weit, ich freu mich wenigstens das ich etwas abgenommen habe, kann es ja auch leiden, blos Mutti darf das nicht hören, doch bei Dir ist es ja das Gegenteil also mag weiter so, essen und schlafen und ja nicht so viel umher rennen. Mein Bruder hatte so gar 15 zugenommen. Ja ja die arme Wand, was hat die Dir getan was kann die blos dafür, wenn Du nichts zu schreiben weißt. Da bin ich auch schon hinter gekommen, Du kannst nicht anders schreiben, wie Du es empfindes [sic] und ich glaube darüber freu ich mich am meisten was nicht nur ein Brief der von vorn bis hinten geschwindelt ist.

Dann kommt der Teil wo ich Dich nicht auslachen soll, erstens wüßte ich nicht was es da zu lachen gibt, ja und wenn ich ehrlich sein soll, hab ich das garnicht begriffen, wie so Du Dich bla blamiert hast, na laß man, kannst mir im nächsten Urlaub mal genauer erzählen, vielleicht weiß ich es auch schon, wenn ich darüber geschlafen habe.

So das sind ja nette Sachen die vom Armeeverflegungsamt [sic] holts [sic], doch die Haubtsache [sic] hast Du ja vergessen, und kein Landser würde mit Dir zu frieden sein, oder gibt es bei Dir nichts zu trinken? - und was den Wachtmeister anbelangt, ist er wenigstens recht nett und genießbar. Was willst Du mit E.K. bist doch nicht Göring, die Haubtsache Ihr behaltet Euer Kreutz [sic] das andere findet sich dann auch.

Na für den Urlaub hast Du Dir ja wirklich allerhand vorgenommen, darfst es aber nicht alles vergessen. Für den Fall das Du kommst, mußt Du mir ein paar schwache Seiten mitteilen, Du [Albert] ich lach mich weg, das hat gerade noch gefehlt Du tust so, als wäre ich schrecklich vornehm, na, wenn Du mich mit unter sehen würdes

II

so nie Holzpantoffel Schafe hüten, ich glaub, Du würdes anderer Meinung sein, was ich in der Tanzschule gelernt hab, kann ich Dir in ein par [sic] Worte sagen, nichts, denn das hab ich alles schon lange gewußt und gekonnt, über ein Teil haben wir jedoch so gelacht das ich auch das nicht vergesse. Also der Herr läßt die Dame s immer vor gehen, ist ja selbst verständlich, nur wenn man die Treppe rauf geht, ist es umgekehrt, natürlich nur bei der kurzen Mode, ich lach mich heut noch weg, son bl […], und im Übrigen halt es man wie Gretchen´s Verlobter der sagt nie ein Wort, sondernt hört sich alles nur an, er ist immer der Schlaue, mir würde das zwar nicht liegen, ich rede mich meißt über alles hinweg.

Sonntag hat nun unsere Kousine wirklich Hochzeit, na ich wünsch dazu viel vergnügen, ich gehe wenigstens nicht hin, das müßt ja komisch kommen, Gretchen hat auch noch keine Lust und ich hab ja wirklich genug hier zu kriegen, meine Mutter will meiner Tante helfen. was soll ich auch dort, nicht das ich neidisch bin, hättes mal sehen sollen, was ich mich gefreut hätte, wenn Gretchen die jenige gewesen wäre, dann hätt ich wohl das gute Kleid schon fertig gehabt, aber so, die sind mir viel zu vornehm, essen nur mit Silberne Löffel, mir schmeckt es mit einem Blechlöffel genau so gut, blos die haben nichts und wir haben Da kann man wirklich sagen, pralen [sic] und Dicktun ist mein Leben, ich hät [sic] mir auch lieber einen Blechtopf gekauft wie Silberne Kuchengabeln, wenn man Kuchen hat kannst ihn auch mit den Fingern essen Doch essen kochen, kannst nicht ohne Pot [sic].

Geld hat sie so gut wie nichts, wenn ich 500 RM hät würde ich mich lieber in die Brennessel setzen, als Heiraten, und Serwetten [sic] sind auch wichtiger wie Handtücher, na mein Hochzeit ist es ja nicht, ich wäre auch nicht so dum [sic] gewesen, und hätt mich viel Besuch ein geladen, was geht das andre Leute an, und oben drein haben wir doch Krieg. Nun hab ich mich wieder so in Wut geredet und ich glaub ich höre lieber auf. Eben erhalten wir auch noch Besuch, meine Tante weiß wohl wieder nicht ein noch aus, da muß Mutti wohl wieder helfen. Am 24.6. will ich mit Gretchen in´s Teater [sic], weiß nur nicht was gegeben wird.

Das Wetter ist bei uns garnicht [sic] schön, man wird nicht einmal braun.

Anne sagt in der letzten Zeit wenig von Dir, Sie sieht wohl ein, das es keinen Zweck hat, denn ich kuk [sic] Sie an und lach darüber, warum sollen wir uns auch streiten. Sie ist ja nicht ich und das ist gut so

Die herzichen Grüsse und Küsse Deine [Ella]

Karte
Kommentare
Einordnung
Gesendet am
Gesendet aus
Autor Ella Müller
Korrespondenz Lohbrügge
Gesendet nach
Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil