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[LBR-420618-006-01]
Briefkorpus

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Hbg Lohbrügge d 18.6.42

Mein lieber [Albert],

nun hab ich es am Dienstag recht gut gemeint, Dir gleich einen Brief wieder geschrieben, und die Marke auf geklebt und was meinst Du, heut Morgen bekomme ich ihn wieder, wiegt über 10 g. lange Briefe hab ich wohl noch nie geschrieben, doch das Papier war wohl zu schwer, ich schick den Brief heut wieder mit ab, kannst gleich einmal sehen welcher eher da ist.

Ja was will ich nun eigendlich [sic] schreiben, Du fragst was meine Eltern zu unserer Schreiberei sagen, ja eigendlich garnichts [sic], meine Mutter sagt immer, darum kümert [sic] Sie sich nicht, ich wäre alt genug, um das selbst zu wissen. Sie hat auch kein Aufpasser gehabt, über haubt [sic] die hat sich noch nih ni [sic] darum gekümmert, was wir die Abende getrieben haben, wenn wir aus waren, doch ich glaub das beruht auch auf Gegenseitigkeit, denn wir waren trotz unserer großen Freiheit nicht schlecht geraten.

Scheinbar redest Du ja russisch mit mir, na das mag ja heiter werden, wenn Du kommst, ich verstehe das nämlich nicht, von Euch kann man ja nicht mehr verlangen, seit [sic] jetzt schon ein Jahr dort. Heute ist das Wetter wieder etwas besser, auch ganz schön warm. Doch es könnte wirklich schon ein wenig wärmer sein, oder ob die Wärme auf gespart wird, bis Du kommst, damit Du es dann auch schaffst, mit Deiner Wärme, ja wie das wohl sein wird, wenn un Du erst hier bist. Du hast wirklich recht, worüber sollen wir uns wohl erzürnen wenn ich den Mund halte, wird es bestimmt schön, ich trau mir zu, das ich auch mal ganz nett sein kann. Gretchen sagt dann immer [Ella] Du hast Deine drolligen fünfminuten [sic], und warum sollt ich wohl gerade schlechter Laune sein, wenn Du hier bist, ich freu mich doch schon so darauf, hab nur angst [sic], das Du mich wenn Du mich kennst, vort [sic] schickst und dann hätte doch das schöne Märchen ein Ende und an wem soll ich dann denken wenn ich schlafen gehe. Doch nun muß ich auf halten sonst wird der Brief am Ende wieder zu schwer. Die herzigsten Grüße u. Küsse

d. [E.]

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Autor Ella Müller
Korrespondenz Lohbrügge
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Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil

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