№ 13
Hbg Lohbrügge d. 21.6.42
Mein lieber [Albert],
wenn Du jetzt fragst, worann [sic] ich denke, ich weiß es wirklich nicht zu sagen, halb bin ich wohl mit meinen Gedanken noch bei den Korbball spielen, von heut morgen, wenn wir auch nicht alle Spiele gewonnen haben, so haben wir uns doch gefreut, über das Ende, wir haben uns es schlechter gedacht, heut Nachmittag spielt nun unsere erste Manschaft, gegen ETV „Deutscher Meister“. Hoffendlich [sic] ist die Niederlage nicht zu groß, und läßt sich rechtfertigen.
Weißt Du, was ich jetzt möchte, zum Baden, doch da geht ja nimand [sic] mit mir hin. Doch das Wetter ist so herrlich, ich sietze [sic] hier im Garten und lasse mir die liebe Sonne auf den Rücken scheinen, hab keine Lust mich um zu ziehen, am liebsten bliebe ich den ganzen Tag im Turnanzug. Der alte Tisch schaukelt und gibt bei jedem Federstrich nach und doch gefällt es mir viel besser, wie drinnen am Schreibtisch.
Ja [Albert], jetzt haben wir die Hochzeit unserer Kousine ja auch schon hinter uns. Gretchen hat ganz kurz ab geschrieben. Meine Eltern gingen schon morgens hin, also brauchte ich ja nicht hin und dann hatte ich auch nichts anzuziehen?! ¼ vor 10 bin ich hin gegangen und hab mir die Kinder geholt, denn die konnten doch nicht die ganze Nacht dableiben, um 11 schlief ich jedoch in bester Ruhe. Ich bin der Ansicht, wenn man nicht gern hin geht, soll man lieber garnicht [sic] hin gehen. Na wenn ich sie treffe, werd ich mal fragen, wie die erste Nacht mit ihrem Mann war! Sie ist ja sonst auch immer so neugierig, die hat ja nun das Fest hinter sich, und Gretchen hat es noch vor sich.
Nun bin ich wieder beim Totenpunkt an gekommen, ich möcht Dir ja noch so viel erzählen, doch schreiben kann ich das nicht alles, mußt schon warten bis Du wirklich einmal hier bist, wie das wohl ist wenn ich nur Deine Nähe spüre, schön wird es sein, ich glaub ja selbst nicht, das es mir so kalt läßt, wie jetzt alles.Dien
Mein Bruder schreibt auch eine Karte aus Herford, sind verladen worden, hoffen wir das [sic] es nicht nach Rußland geht, er schreibt dort er hat Kameraden Ke getroffen, die schon drei mal in Rußland verwundet waren, wie ich heut die Sondermeldung von Afrika hörte, hab ich auch gedacht, hätt mein Bruder sich damals dahin gemeldet, wäre er wohl jetzt auch dabei, und wer weiß, wo für es gut ist, das es so gekommen ist.
Doch nun weiß ich wirklich nichts mehr, und was ich empfinde, kann ich Dir ja doch nicht schreiben, doch ein Gruß und ein Kuß sendet Dir viele liebe Malin
Deine [Ella].
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil