№ 14
Hbg Lohbrügge d 24.6.42
Mein lieber [Albert],
heute erhielt ich nun auch das Päckchen von Dir, schönen Dank für die Schokolade, hab schon lange nicht mehr so etwas Gutes gegessen, erst wollt ich sie Dir im nächsten Päckchen wieder schicken, denn [Albert], Liebster, esse doch Deine Schokolade lieber allein. Doch wenn ich das getan hätte, besteht die Gefahr, das Du es in Zukumpft [sic] auch so hälst [sic] und das möcht ich doch wirklich nicht gern, doch schmecken tut sie prima, wenn ich so bei bleib beim essen, ist sie bald alle, doch in Zukunft lieber selbst essen, weißt doch, das magt [sic] fett. Über das Paket brauch ich wohl weiter nichts zu sagen, habs erst mal ordendlich [sic] geschüttelt, doch was drinn [sic] ist hab ich nicht heraus bekommen, ich vermute Briefe oder Luft, das ist nämlich man leicht, doch jetzt hab ich es erst mal weg gelegt. Hoffendlich [sic] dauert es nicht mehr so lange, sonst wird ihm das warten in meinem Schrank noch über. Deinen lieben Brief vom 14.6.42 habe ich gestern auch erhalten, hab mich wieder sehr dazu gefreut, scheinbar hab ich ja jetzt fette Tage, jeden Tag etwas. Ich bitt Dich rahm blos nicht alles ein, was ich schicke, sonst bekommt man ja angst, wenn man das Zimmer betritt. So und Dumheiten könntes [sic] Du auch machen, na, dann man zu, halt Dich nicht da von ab, oder ist Rußland nicht der richtige Ort dafür, wenn es Dir zu gut geht, komm man mal her, ich fahre Dir dann mal mit dem nassen Schwamm in´s Gesicht, vielleicht ist Dir dann besser und das Du auf Urlaub kommst darauf warte ich schon lange! ———————
Das Wetter kann bei uns im Augenblick auch nicht besser sein. Mit Eurer Stimmung warst Du ja ziemlich deutlich, ob Du es nun wieder dick durch gestrichen hast, ich konnt es noch gut lesen, ja, das war wirklich ein sehr unvornehmes Wort, das darfst nicht einmal denken, viel weniger noch schreiben. Doch Ihr seit [sic] ja bein Soldaten, und das entschuldigt ja alles.unfohrn
Bein [sic] Likör trinken wäre ich gern dabei gewesen. Hier bekommt man nicht mal mehr welchen zu sehen, nur noch Brause und Selter, da werdet ihr noch mal Eure Freude drann [sic] haben, wenn Ihr in Urlaub seit [sic].
Ja, [Albert], wenn ich mir nun die Schreiberei hier an sehe, könnt ich mich selbst verhauen, in der Schule hättes wohl 10 Seiten Strafarbeit gekostet, doch ich kann wirklich abens [sic] keine Feder mehr halten, den ganzen Tag kletterst in den Bäumen herrum [sic], ewig fällt die Leiter um, und dann liegst mit der Nase in Drek [sic]. Deine Leiter hat nämlich ein Sonnenstich, der kleinste Sonnenschein bringt sie schon aus ihrem gleich gewicht, wenn wir blos erst mit den schneiden der Bäume fertig wären. Das Ernten geht dann macht sehr viel besser, im süßen Kirschbaum war ich auch schon, doch noch sind sie nicht recht reif, doch ich kann die Zeit nicht sch mehr ab warten, sehr viel drann sind leider auch nicht. Hier sagen die Leute immer, hilft nichts, Petrus ist ein Jude, und der ist gegen uns, na, und ich glaub das ist mit unter wirklich so!!!!mer
Doch nun will ich Schluß machen und ein wenig träumen von Frieden und eine bessere Zeit.
Es grüßt und küßt viele liebe Mal
Deine [Ella]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil