№ 16
Hbg Lohbrügge d 5.7.42
Mein lieber [Albert],
ein herrlicher Sommertag neigt sich dem Ende zu, es war so warm, das man im Schatten im Strandanzug nicht aus halten konnte, ich bedauer mich, ja, doch Morgen ist ja nun auch wieder Altag und da gibt es auch kein faulenzen mehr, Gretchen war heute auch hier, wir sind gar nicht aus den Kirschbaum raus gekommen, doch nun mögen wir für heute auch keine Kirschen mehr sehen. Gretchen meint ja nun ihr Jochen kommt bald auf Urlaub, er schrieb, er müßte erst seine Vertretung einarbeiten, also hat Sie ja wenigstens Hoffnung, und Du bist dum, wenn Du nicht auch bald kommst, meint
Ja [Albert] was nun schreiben und nicht lügen, Dir was nettes liebes schreiben, weißt ja selbst, das es mir nicht liegt und ich glaub, heute hast Du es auch nicht verdient, weißt ja wer selbst nicht schreibt, kann auch nichts wieder verlangen, doch das soll kein Vorwurf, sein, ich weiß ja nicht wo von es kommt, das Du nicht schreibst, also hoffe ich wieder auf morgen und einen Tag wird dann wohl wieder Post für mir dabei sein. Mein Bruder hat auch noch immer nicht geschrieben und so wiegt alles doppelt. Doch nun wünsch ich Dir auch weiter hin das nur erdenklich gut und hoffe auf ein baltiges gesundes wieder sehen
Deine [Ella]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil