Frl. [Ella] [Schumann]
z. Z. Schnakenbek b. Lauenburg Elbe b. W.
Im Osten, am 8. Juli 1942
Meine liebe gute [Ella]!
Du bist so gut zu mir und ich komm mir Dir gegenüber vor wie son Schuft. Das hilft aber ja alles nichts, die Hauptsache ist das [sic] ich nun aber bald mal auf Urlaub komm! Ich hab nämlich zur Zeit einen Urlaubsfimmel wie noch nie! Ich begreif das bald selbst nicht mehr!! Ob Dus glaubst oder nicht bei mir werden zwei Jahre voll. Hällt [sic] man das denn überhaupt noch aus? Ich weiß, [Ellachen], Du bist weis [sic] Gott nicht daran schuld. Aber damit Du in dem Problem Urlaub klar siehst, will ich Dir die Geschichte kurz klarmachen. Unser Verein ist 300 Mann stark. Davon fahren jetzt wöchendlich [sic] 3 Mann. Hinzu kommen dann die Sonderurlauber. Die einen fahren, weil sie Bombenschäden zu Hause haben, und die anderen zum Heiraten. Ich muß warten bis ich an die [sic] Reihe bin. Jetzt fahren die, die im Dezember 40 zuletzt zu Hause waren. Und ich war im März 41. zuletzt zu Haus. Da wirds Winter bis ich drann [sic] bin und im Winter wirds natürlich keinen Urlaub geben weil die Bahn dann wieder zuviel Schwierigkeiten zu überwinden und folgedessen wieder überlastet ist. Man kann mit dem Kopf zuerst gegen die Wand anrennen, man andert [sic] da ja doch nichts dran.dru
Inzwischen hab ich drei Briefe und eine Karte von Dir erhalten: № 13, 14 und 15. Vielen lieben Dank dafür. Du weißt ja Du bist mein ein und alles, ich freu mich über jedes Wort das von Dir kommt. Dein letzter Brief hab [sic] mir einiges zu schaffen gemacht und mich wieder auf Draht gebracht. Denn mir war in letzter Zeit beinahe alles piepe.
Meine liebe [Ella] wenn Du wirklich der Überzeugung bist wie Du’s in Deinem letzten Brief geschrieben hast, so bist Du derselben Meinung wie ich. Für unsere Zukunft ist das ein unschätzbarer Wert. Aber ja auch eine Feuerprobe wie sie wohl nicht härter sein kann. – Manchmal hab ich Gewissensbisse, ich frag mich dann ist das nicht zuviel verlangt, so wie wir uns kennen und nun soll die [Ella] sagen: gut der wills so haben, ich kuck einfach zwei Jahre keinen Mann mehr an und damit vertig [sic]. So spricht der kalte nüchterne Mensch in mir. Aber auch zurselben [sic] Sekunde noch, meldet sich in mir der liebende Mensch; und der spricht eine ganz andere Sprache. –
Ach [Ellachen] Du glaubst ja garnicht wie ich an Dich [sic] hänge. Es wird Zeit das [sic] wir uns endgültig kennen lernen, warum weißt Du ja. Es grüßt und küßt Dich viele liebe Mal
Dein [Albert].
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Albert Müller
Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil