Hbg Lohbrügge d 9.7.42
Mein lieber [Albert],
finde einen Augenblick Zeit, Dir zu schreiben, Post hab ich noch keine, doch zeit zum grübeln hab ich auch keine, und ich glaube das ist gut so, denn abens wenn ich schlafen gehe, kann ich meiner Unruhe kaum Herr werden, doch die Müdigkeit hat meist bald die übermacht. Heut Nacht war ja der Tommi wieder da, doch ich will mal ehrlich sein, ich hab garnichts davon gehört, auch den Alarm nicht.
Mein Bruder ist auch wieder bei der alten Einheit in Rußland angekommen nun sind gerade alle Päckchen wieder zurückgekommen und nun geht das Schicken auf die alte Nummer wieder los. Gretchen kommt heut auch, das arme Kind hat nichts zu essen, Sie will sich ein paar Kartoffel holen, denn wir haben ja noch etwas mehr davon. Sonnabend fahre ich zum Bickbeer pflücken, doch vorher schreib ich noch einmal wieder, doch jetzt will ich in den Garten und noch ein paar Erbsen pflücken, denn wenn Gretchen kommt, wird ja doch nichts mehr getahn [sic]. In der Hoffnung, das es Dir recht gut geht, grüßt und küßt viele liebe malG
Dein [Ellachen]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil