Hbg Lohbrügge d 17.7.42
Mein lieber [Albert]
heute bin ich nun vom Bickbeerpflücken zurück, hab bei na 40 ℔, war ein mühsames geschäft und 10 Mal bin ich unterwegs gefragt worden, ob ich nicht welche davon verkaufen will, doch bekanntlich ist der Winter noch lang und da macht selber essen fett. Deinen Brief vom 8.7. hab ich auch erhalten. Mutti schickte ihn nach in die Bickbeeren und so hat das gute Stück, die ganze Bickbeeren Pflückerei mit gemacht, na, so sieht er aber auch aus. Ja mit dem Urlaub ist das wohl solche Sache, ich habe mir ja schon so oft vorgenommen, nicht mehr davon anzufangen, doch ich komme ja doch nicht davon los, es ist ja doch alles, um das es sich drät, weißt Du wenn auch wirklich zwei Jahr voll werden, ist auch nicht so schlim, dann haben wir ja auch schon ⅔ der Zeit rum, also denk in Zukunft wenn es nichts ist mit dem Urlaub, dann eben später. Ich kann ja sehr gut verstehen das es Dir mit unter krippelt, weiß ja auch wie gern Du fahren würdes. und ebenso gern würde ich Dich auch hier haben, doch Du kannst Dich drehen und wenden wie Du willst es, ändert nichts an der Sache, oder hast Du gar angst, daß ich davon renne, ja wo hin denn, Männer die zu mir passen, sind in Rußland, und da kann ich ja nun einmal nicht hin, und die so im vorüber gehen, hier in den Karserne an kehren [sic], ist nichts für mich, die würde ich doch nur am Band nehmen, und ich glaub das haben die meisten nicht verdient, und Zeit in die Stadt zu laufen hab ich auch keine, was ist blos für Kraut in dieser Woche in unsern Garten gewachsen und Kirschen Johannesbeeren und Himbeern müssen gepflückt werden, auch die Erbsen sind zum einmachen gut, also an arbeit kein mangel wenn man nur etwas tun will.Kri
Weißt Du der kleine in Schnakenbek, der da mals geboren ist, wie ich da war, und Du zuletzt auf Urlaub, ist ja nidlich, kann schon laufen und nachsagen tut er jedes Wort. Meine Tante meint ja sollch Kinder mädchen, wie ich, könnt sie noch gebrauchen und dann könnt ich in abens fütter, laß man mir macht es spaß, wenn ich den Bogen auch noch nicht so raus habe, meine Tante sagt dann immer, das mußt jetzt aber bald können, wie ich so alt war wie Du, hatte ich schon zwei von den Trabaten [sic]. Doch ich glaub ich mache für heute Schluß, die Uhr geht auf 12 und draußen regnet es zur abwechslung einmal wieder. Es grüßt und küßt herzlich [Ellachen]jed
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil