N 18
Hbg Lohbrügge d 24.7.42
Mein lieber [Albert]
Deinen lieben Brief vom 17.7. dankend erhalten, hab mich sehr gefreut und am meisten hat mich gefreut, daß Du Dich besern willst und etwas mehr schreiben, Dein versprechen ist sicher ehrlich, doch ich glaub, das halten schwerlich, doch das soll nun kein Vorwurf sein, wenn ich keine Post hab denk ich das gute Stück ist wohl einmal wieder an die Wand geflogen und erreicht nichts, wie viel schöner wär es, Du hättes ihn er halten und doch muß ich einmal mit Dir schimpfen, sag mal schreibst Du an zu Haus mit doch größeren Zwischenräumen, ich finde das wirklich nicht nett von Dir, ich bin zwar schon lange nicht mehr in Escheburg gewesen und auch nichts gehört, doch etwas muß ja an den Kram wieder wahr sein, ich leg mir die Sache wenigstens so aus, als wäre lange keine Nachricht von Dir eingetroffen. Ich hab geschimpft und gesagt darann ist nichts wahres, und Gott lob ich hatte recht, also ich bitte Dich, schreib doch auch anzu Hause, sonst bin ich noch gezwungen, jedes mal davon Mitteilung zu machen, wenn Du mir geschrieben hast.
Im Augenblick ist bei uns die Essensfrage wieder so gut wie behoben. Heut hab ich von bekannten Ale bekommen. Du da freu ich mich heut schon drauf, so lange wie Krieg ist, hab ich keine mehr gegessen, am Sonntag gibt es Tauben, also wir können wirklich nicht verderben, vom Speck hab ich auch wirklich schon mehr wie genug.id
Du sag mal, was war das fürn Traum, war er nicht schön? Ja und Träume sind ja bekantlich Schäume, Du meinst also wir könnten im Urlaub vielleicht noch eine Pleite erleben, ich wüßte wenigstens nicht wie, und wiederum wäre es schade solange Zeit haben wir nun schon auf den Augenblick gewartet, bis wir uns wieder sehen, und was freuen wir uns schon jetzt darauf, na, ich wüßte wirklich nicht was dazwischen kommen sollte. Auf der andern Seite der Elbe war ich bis jetzt nur in Artlenburg, doch ich glaub, das es auch anders wo sehr schön ist, ach [Albert] Du hast wirklich recht, es wird schön, in Deinem Urlaub, unsagbar schön, ich möcht Dir ja so viel sagen und fragen und wenn Du hier bist, hab ich sicher alles vergessen. Es ist wohl so, das Leben besteht nur aus einem ewigen warten erst möcht man groß sein und wenn man groß ist, weiß man erst wie schön es war, wie man noch klein war und je älter man wird umso mehr weiß man, daß auch das Leben mehr fordert als nur Pflicht und die Liebe spielt wohl im Leben nicht eine weniger geringe Rolle, bestheht es ist wohl so, wie Tudi einmal sagte, wenn Du den Mann brauchst, hast ihn nicht, wenn ihn nicht brauchst steht er Dir immer zur Seit, Ach, [Albert], Liebster, ich merk schon, ich kann doch nicht das schreiben, was ich empfinde ich mag die Tür lieber wieder zu, und bleib weiter hin Herr über meine Gedanken und mein tun.und
Gretchen hat sich Ihren Mann jetzt auch ein gefangen doch leider ist die Beizeit [sic] von der Wehrmacht, am Sonntag schon wieder um, und so muß Sie ob Sie will oder nicht, als jungen Ehemann der Wehrmacht zurik geben. Mein Bruder hat heut auch geschrieben, Sie liegen noch dort wo Sie im Winter gelegen haben, also südlich vom Ilmensee. Heute hätte es beina nicht geregnet, doch Petrus gießt noch schnell eine Kanne herunter. Ging wohl nicht anders. Es grüßt und küßt viele liebe mal Deine [Ella]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil