N 19
Hbg Lohbrügge d 26.7.42
Mein lieber [Albert],
Petrus läßt es zur ab wechslung einmal wieder regnen und so finde ich ein Augenblick Zeit, Dir zu – schreiben. Wir haben ja wieder eine dolle Nacht hinter uns, ich glaub es war die schlimste bisher, doch wir sind ja noch alle wohl auf und hoffen das die komenden Nächte wieder ruhe bringen. In Wohltorf sollen 800 Brandbomben und 12 Sprengbomben gefallen sein bei uns, hat auch eine Straße gebrannt doch verluste an Menschen, trafen Gott lob nicht ein und alles andere laßt sich ja ersetzen, ja in Hbg soll’s ja ganz schlim sein, hoffendlich haben die Brüder sich nun nicht die Stadt ausgesucht.
Ja gestern war ja nun Sonntag, doch davon hab ich wenig gemerkt, geregnet hat es wie doll, ich mußt Erbsen pflücken, war kein vergnügen und Kuchen hatte Mutti auch nicht gebacken, also ein rechtige Kriegssonntag. Heut nacht hat ich einen Traum, ich weiß selbst nicht wie der sein kann, ich träum sonst nie! und ich kann jetzt noch nicht begreifen, daß er nicht wahr ist, Du warst nämlich auf Urlaub und es war so schön, daß ich nicht glauben kann, daß es in wirklichkeit einmal so sein wird, doch hoffen wir das Beste, draußen wird es wieder trocken, also wieder hinein in’s Fergnügen. Doch Du sei vielmals gegrüßt und 1000 mal geküßt von Deinem [Ellachen]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil