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[LBR-420814-006-01]
Briefkorpus

Hbg Lohbrügge d 14.8.42

Mein lieber [Albert]

Deinen lieben Brief vom 10.8.42 habe ich heute dankend erhalten. O wie hab ich mich gefreut endlich endlich ein liebes Wort von Dir und ich glaubte doch das ich es wirklich verdient hab doch das ist wohl wirklich so wenn man am wenigstens dan den Postboten denkt bringt er etwas feines Denn Denken hatte ich wirklich anderes mußte meinen Vater auf den Hbg Markt vertreten er ist plötzlich krank geworden was noch ni da war. freu Dich das Du nicht hier bist denn sonst hättes wohl noch abeit abbekommen ich komm mich vor als wenn ich beheqst bin dieses hantieren mit den schweren Kisten bin ich ja nicht gewohnt doch es lernt sich und Morgen geht es sicher schon zehn mal besser wenn die Uhr fünf ist kannst mal an mich denken dann saus ich von Bergedorf ab. Am Nachmittag geht es dann wieder in die Kirschen also siehst Du zu tun hab ich genug und wer seine arbeit hat kommt ja bekanntlich nicht auf schlechte Gedanken und man weiß ja auch wofür man von früh bis spät arbeit blos zu bange bin ich noch da bei Doch ich will ja hoffen das mein Vater bald wieder besser wird doch das kommt davon wenn man nicht zeitig zum Artz geht könnt mich da ja auch ein Beispiel drann nehmen ich find Ihn auch entsetzlich wenn ich auch noch ni dawar.

Mein Brüderchen schreibt jetzt täglich wir freuen uns das es Ihn wieder besser geht.

Von Tudi E. hab ich eine Karte aus Düsseldorf erhalten also ist Sie auch bei Ihren Freund kann nur nicht begreifen das Frau E. die beide zur gleichen Zeit fahren läßt. Ich hab schon drei Jahre eine Einladung nach Beireuth [sic] in der Tasche und komm ni dazu ich weiß garnicht wo die die Zeit hernehmen

Gretchen wollte heute auch zum Kirschen holen kommen doch im Augenblick regnet es entsetzlich.

Jetzt sind die Soldaten im Süden wohl zimlich fertig und im Norden geht es los ich weiß das vielle vom Süden dort gelandet. Na und Urlaub gibt es sicher auch bald, hier kommen Täglich welche unverhoft und warum sollte es Dir anders gehen Ach ich freu mich ja schon so und ich bin der festen Zuversicht das ich das Warten lohnt. Mutti meint wie ich so lange keine Post hatte der hat in Rußland wohl schon eine bessere gefunden. Ja wenn Du nicht in Rußland wärst würde ich es glauben aber so.

Jetzt ist schon wieder er ein Tag vergangen da ich den letzten B Absatz schrieb und ich wollte doch einen langen netten Brief schreiben Doch Gretchen kam da zwischen und heute reicht die Zeit nicht Doch sei nicht bose ich schreib bald einmal wieder Doch bis dahin alles Gute und ein baltiges Wiedersehen es grüßt und küßt herzlich viele liebe mal Dein [Ellachen]

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Autor Ella Müller
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Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil