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[LBR-420819-006-01]
Briefkorpus

Hbg Lohbrügge d 19.8.42

Mein lieber [Albert]

es läßt mir keine Ruhe, ich muß noch wieder am Dir schreiben. mein letzter Brief war sicher in Deinen Augen entsetzlich, ja man soll eben keinen Brief schreiben, wenn man dazu keine Zeit hat, ich will auch ganz bestimmt nicht wieder so einen Klage Brief schreiben. Denn ich weiß, ihr habt es in den meisten Fällen viel viel schwerer.

Bei uns sind in der letzten Zeit sehr viel auf Urlaub gekommen, aus Rußland und nun bin ich der festen überzeugung das auch Du bald an die Reihe kommst, also laß den Kopf nicht all zu tief hängen weißt ja, im Leben geht alles vorüber im Leben geht alles vor, bei, nach jedem September, folgt wieder ein Mai und wir wollen doch diese Stunden des wartens nicht fest halten, sondern uns jetzt schon, auf eine gemeinsame Zeit freuen.

Unsere Kirschen sind jetzt balt ab, nächste Woche kommen die letzten ab. Mein Vater geht es schon viel besser, zu Markt muß ich jedoch noch, und es magt mir auch schon spaß, man gewöhnt sich eben an alles. Die Flieger kommen jetzt auch schon am Tag, doch so lange wie sie keine Eier [*2] ab werfen, sind sie uns willkommen. Die flack [sic] [*1] sorgt immer für den nötigen empfang, doch nun Grüß und Küß ich viele liebe mal auf herzlichste Dein [Ellachen]

[*1 = flack [sic], wohl Flak]

[*2 = Eier, gemeint sind wohl Bomben]

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Autor Ella Müller
Korrespondenz Lohbrügge
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Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil

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