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[LBR-420822-006-01]
Briefkorpus

Hbg Lohbrügge d 22.8.42

Mein lieber [Albert],

ja nun hab ich so da rauf gewartet, das ich erst auf mein Zimmer kann und Dir einen Brief zu schreiben und nun weiß ich wieder nicht was. Mir geht es wohl änlich wie Dir, ich hab immer das Bedürfniß zu schreiben und sicher findes Du meine Schreiberei sehr lang weilig. mir ist mitunter alles einerlei, warum muß nur blos dieser verfluchte Krieg sein, wäre es denn wirklich nicht anders gegangen, doch davon verstehe ich wohl nichts. Aber wenigstens auf Urlaub könntes Du mal kommen und doch weiß keiner warum der nicht sein soll, ne Du, wenn Du den letzten Abend zu mir gesagt hättes, jetzt mußt Du zwei Jahr auf mich warten, ehr wir uns einmal wieder sehen, ich hätt bestimmt gesagt, auf keinen Fall das halte ich nicht aus, aber man sieht ja, wo ein Wille ist ist auch ein Weg, so gar ein feiner.

Mein Bruder meinte im letzten Brief auch ob Du nicht bald auf Urlaub kommst, Du hattes es ja wirklich bald verdient, doch tröste Dich mit denen, die Frau und ki Kinder haben und eben solange Zeit nicht hier waren. Wenn ich Morgens um 6 Uhr auf dem Haubtbahnhof ankomme, läuft immer der Zug von Berlin mit Uhr Urlauber ein und ich denk, wie schön wär es wenn auch Du damit kämmst, dann ginge ich sicher nicht mehr Zu Markt. Doch wenn ich die Rückfahrt antrete fährt der Zug über Königsberg nach Rußland dann bleib ich ni stehen, denn man weiß ja wie schwer das alle fällt. Nun muß ich jedoch auf halten zu schreiben, bin so müde, hatte heute Glük beim Gemüse einkaufen, hatte 800 Pflaumen doch die Leute sind wieder nicht zufrieden, ihnen wären Pfirsich lieber gewessen, doch Du und mit Dir, alle Kameraden, hätten sich sicher auch zu den Pflaumen gefreut, doch an das was Ihr nicht habt, könnt Ihr eu Euch nicht den Magen verderben. Du wolltes ja jetzt öfters schreiben doch noch hab ich nichts davon gemerkt, es ist schon wieder 1 ½ Woche vergangen seit dem, aber hoffen wir weiter.

Es grüßt und küßt viele liebe Mal [Ellachen]

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Autor Ella Müller
Korrespondenz Lohbrügge
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Über den Autor

Ella Müller

Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil