Im Osten, den 28. August 1942.
Meine herzliche gute kleine [Ella]!
Vielen lieben Dank für Deinen lieben Brief mit den beiden Schachteln Zigaretten drin. Hab mich sehr gefreut, wie ja immer. Aber als Klagebrief hab ich bisher noch keinen von Dir empfunden. Ich weiß garnicht, [Ellachen], wie Du darauf gekommen bist.
Hier ist es jetzt Hochsommer. Die Ernte ist hier jetzt in vollem Gange. –
Soeben erhalte ich Deinen Luftpostbrief. Ich war so schön in Stimmung, wollte Dir Men meine ganzen Eindrücke erzählen, der Brief wäre wohl 4 Seiten und noch länger geworden. Aber jetzt ist die Stimmung futsch, wie weggeblasen. Von mir bekommst Du keine Marke wieder. Gewiß ich freu mich auch wenn ich ein Kilo - Paket bekomm.
aber [sic] ich lebe so gut, wie Ihr es Euch garnicht vorstellen könnt. Ein Infanterist hat nicht den zehnten Teil von dem was ich hab. Ach, es ist ja sinnlos da noch viel Worte drüber zu S verlieren. Ich bedaure nur, daß Du mich so wenig verstanden hast.
Ich halte das ja für einen Scherz, indem Du schreibst, an meine Liebe wolltest Du man lieber nicht mehr glauben.
Über die einen Fall reden wir noch mal. Wenn ich nochmal höre, daß Du der Meinung bist, und neuerdings Deine Mutter auch, von mir dies oder Jenes oder jede nicht von mir annehmen zu könn [sic], so zwingt Ihr mich, Gleiches mit Gleichem zu vergelten.
Ganz besonders bitte ich Dir, liebe [Ella], dieses Kapitel reiflich zu überlegen. Denn daß würde für uns beide sehr traurige Folgen haben.
Doch trotzdem sehe froh und glücklich unserm Urlaub entgegen
Dein [Albert]
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Albert Müller
Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil