Bitte warten...

[LBR-420830-005-01]
Briefkorpus

Im Osten, am 30. August 1942.

Meine liebe kleine gute [Ella]!

Du wirst sicher überrascht sein, auf diese Weise einen Brief von mir zu bekommen. Dieser Kammerad [sic] kann Dir alles erzählen was Du von Ihm wissen willst. Das heißt, er kann Dir sagen wie es uns hier geht wie wier [sic] hier untergebracht sind und womit wir uns beschäftigen. Aus dem seinen Bericht wirst Du dann schlauer sein, wie aus meinen gesamten Briefen. Ich will blos [sic] damit bezwecken, daß Du Dich um mich keine unützen [sic] Gedanken machst.

Nun will ich dann auch gleich das schreiben wo ich voriges Mal von abgekommen bin. –

Heute ist Sonntag. Ich denke zurück – vor 2 Jahren war der Westfeldzug beendet und ich zum ersten mal [sic] auf Urlaub. Ich glaub das war gar kein richtiger Urlaub. Ich hatte garkeine ruhige Minute, war dauernd woanders blos [sic] nicht da wo ich hingehörte. Du diesmal weiß ich aber wo ich hin gehöre. Ich glaub wenn ich erst mal bei Dir bin, wirst mich garnicht wieder los. Drück ja den Daumen, daß Dein Väterchen wieder gesund bin ist wenn ich komm. Sonst muß der Hamburger Markt dicht machen, irgend was muß dann geschehen. Oder ich werd den Markt mit meiner Anwesenheit beglücken. Das [sic] ich Dir nich [sic] im Weg steh, dafür werd ich schon sorgen.

Du [Ellachen], ich hab Dich wirklich ganz doll lieb. Schade ist blos [sic] das [sic] ich Dir das zur Zeit nicht weismachen kann. Vor ungefähr einem Jahr hab ich Dir mal einen Brief geschrieben, den ich aber noch heute in meinem Besitz habe. Wenn ich bei Dir bin werde ich Dir die „Geschichte“ dieses Briefes erzählen. Du wirst dann sicher mit dem Kopf schütteln. Ich tue es heute auch. Wenn Du ihn nicht eher bekommst, dann in meinem Urlaub.

Haben sollst ihn nun doch! Ich hab ihn schon eben so oft verbrennen wollen, wie ihn an Dir [sic] abschicken. Zu keinem war ich bisher fähig. Ich weiß auch, daß ich niemals wieder fähig sein werde, so einen Brief zu schreiben. [Ella], Du bist daß Liebste was ich hab. Du sollst mich kennen bis in die tiefsten Gründe. Blos [sic] für Dich, ganz für Dich, mußt Du das behalten.

Denn andere könnten drüber lachen, aber lachen sollen Sie meinetwegen alle darüber, aber erst dann wenn ich’s nicht mehr höre. [Ella], ich gebe mich der Hoffnung hin und will auch dran glauben, wie nur ein Mensch glauben kann, das [sic] ich bei Dir meine Ruhe finde und ein Mensch werde, wie es tausend andere auch sind. Aber ich will nach vorn. Kämpfen und siegen will ich. Ich will und muß mich selbst besiegen.

Nun hab ich Dich wieder in Aufruhr versetzt. Das wollt ich aber garnicht. Suh Such Dir man das Beste raus und das andere schmeißte einfach über Bord. Bleib so wie Du warst und bist, frisch munter und fidel. Denn lachend möchte ich Dich wiedersehen. Und das wird noch in diesem Jahr sein.

Bis dahin wünsch ich Dir das Beste und grüß und küß Dich viele liebe Mal.

Dein [Albert].

Karte
Kommentare
Einordnung
Gesendet am
Gesendet aus
Autor Albert Müller
Korrespondenz Lohbrügge
Gesendet nach
Erwähnte Orte
Über den Autor

Albert Müller

Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil