Hbg Lohbrügge d 6.9.42
Mein lieber [Albert]
Deinen lieben Brief vom 28.8 hab ich schon vor einiger Zeit erhalten, doch verspürte ich keine Lust darauf zu Antworten, vielleich weil Du zu recht hast, ja weißt Du, etwas schuld hast Du jedoch auch selber, ich wäre ni auf die Ide gekommen, Dir das Paket o gegen Deinen Willen zu schicken, doch Du bist immer so schrecklich bescheiden und nun dachte ich Du magst blos wieder den Mund nicht auf tun Sicher hätt es mein Bruder viel Freude gemacht, denn er scheibt immer schickt was zu essen, wir haben so wenig und solchen Hunger, wir schicken ja nun alles ab, was nur möglich ist, doch ob er davon den Hunger stillen kann, ist eine Frage. Doch ich off das auch Dir das Paket Freude macht.
Und nun will ich Dir mal ganz was feines [sic] erzählen. Oder weißt Du es gar schon, Walter ist auf Urlaub, Anne war gestern bei mir, schon 1 ½ Woche, Anne meint, schade das [sic] Du nicht auch hier bist, mit Walter ist allein nichts anzufangen, und gemeinsam war es doch immer so nett, scheinbar ist Walter bange vor Anne. Doch ich kann Walter das auch nicht verdenken, bei Anne weiß man immer nicht woran man ist, gestern war Sie nun wieder mit den Untoff. aus Wentorf in’s Kino, ich finde das ist keine art und weise.K
So und Du Schelm meinst also, über den Fall von Deine Liebe zu mir reden wir noch mal, ja das glaub ich auch, reden müßen wir wohl noch über vieles. Ich glaub wie Du mir den Brief geschrieben hast, hattes [sic] Du ne kleine Wut und sicher auf mich, es ist ja jetzt ungefär [sic] ein Jahr her, da ich Dir den Brief geschrieben hab, vom [sic] wegen, na Du weiß [sic] ja selbst, und daher bist mir wohl so böse, na laß man, gestern abend sah ich so viel Sterne vom Himmel fallen, und hab mir immer das selbe gewünscht, tu Du man das gleiche, und ich glaub es geht ganz sicher in erfüllung.
Ja in Escheburg sind jetzt bald alle auf Urlaub gewesen, und nun kommst Du sicher auch bald an, Adi Sch. ? soll auch da sein. Doch nun will ich schließen heut ist Jahrmarkt und da muß ich unbedigt [sic] noch hin, doch Dir Wünsch ich weiter alles Gute und freu mich auf ein baltiges [sic] gesundes Wiedersehen
Dein [Ellachen]
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil