Im Osten, am 20. September 1942.
Mein liebes treues [Ellachen].
Ich hab soviel Post von Dir bekommen! Und ich hab mich ja wieder so gefreut. Du glaubst einfach nicht wie. Ich bin mit meiner Schreiberei wieder ganz durcheinander gekommen. Weiß garnicht welche Post ich Dir jetzt beantwortet hab. Es liegt was in der Luft. Meine Gedanken sind immer weit weg. Bin oft so zerstreut, daß ich mit meiner jeweiligen Arbeit auf halte [sic] und mir dann sage: was machste denn jetzt wieder für’n Knatsch? Ach [Ella] ich will mich nich [sic] wieder gehen lassen und Dir was schreiben wo ich selbst nicht draus klug werde. Ich hab die Nase voll, habe mich gestern freiwillig zur Infanterie gemeldet. Hoffentlich werde ich an genommen [sic]. Dort wird sich zeigen ob ich ein Mann bin oder nicht. [Ella], versteh mich so gut es geht, ich bitte Dich darum wie ich es wohl noch nie getahn [sic] hab. Das sollst nur Du wissen. Nu fang nicht an schwarz zu sehen, denn darann [sic] denk ich auch nicht im geringsten. Mich treibt etwas nach vorn, worüber ich mir selber nicht im klaren bin. –s
Wenn ich nicht eher auf Urlaub kommen sollte, so spätestens in 8 Wochen. Dann können wir uns wenn nötig ist ja noch mal über diesen Punkt unterhalten.
Ich wollte Dir ja Deine Post beanworten [sic]. Ich bekam einige Briefe 3 Stück an der Zahl und dan [sic] das Kilopaket. Es war mit so unendlich viel Liebe und Sorgfalt verpackt aber die Pfirsiche waren leider verdorben. Dafür schmeckten die andern Sachen umso besser. Liebes [Ellachen] morgen schreib ich einen gewohnlichen [sic] Brief Dein Dich liebender [Albert].
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Albert Müller
Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil