Hbg Lohbrügge d 24.9.1942
Mein lieber [Albert],
heute erhielt ich Deinen lieben Brief vom 20.9 hab vielen Dank da für, erst hab ich mich sehr darüber auf geregt, mir immer wieder gesagt mußt das den sein, doch jetzt bin ich zu der Überzeugung gekommen, das ja jeder so liegt, wie er sich bettet, [Albert] das soll nun kein Vorwurf sein, ich werd nun einmal das dumme Gefühl nicht los, da rennst Du in Dein eigenes Unglück und dann Infanterie wenn ich das Wort höre, könn ich mich hin setzen und weinen. Mein Bruder wär sicher tot glücklich, wenn er davon wäre, er meint einmal, alles blos nicht Infanterie, doch freiwillig wo anders hin, das tut er auch nicht, er sagt ich tu das was meine Pflicht ist. Ja was der Bengel blos für Pech hat, er liegt schon wieder im Lazarett und diesmal hat es Ihn doch etwas mehr erwischt, er schreibt persönlich, vom 15.9., er wäre am 12.9. am lin rechten Oberschenkel verwundet, bis zum Knie ist das Bein aufgerissen, doch es ist noch drann und er hofft das er es behalten kann er hätte schon zweimal eine Nakose bekommen und das schlimste wäre wohl überstanden, er hat nur einen Wunsch, nach Deutschland, doch darauf wird wohl noch einige Zeit hingehen, vielleich darf er ja Weinachten bei uns sein. Meine Mutter hat wohl doch recht der hat immer Pech, oder doch nicht, es war ja auch ein bischen Glück dabei. Es mag ja nun sein das Dir das Glück holder ist als ihm aber dazu kann und darf ich ja nichts sagen, Du bist alt genug, um selbst zu wissen was Du zu d tun hast, doch ich bitte Dich, überleg das gut, Du kommst von dahin nicht zurück und wenn der Krieg noch Jahre dauert, doch soviel steht fest, hättes Du mir das selbst gesagt, ich weiß nicht was geschehen wäre, vielleicht wär meine Hand, doch aus gerutscht. Ich gib mir ja die größte Mühe Dich zu verstehen, doch dafür kennen wir uns wohl zu wenig, doch vielleicht seh ich später einmal diesen Schritt den Du daunter nimmst, mit anderen Augen an, ich weiß ja im Augenblick nur eins Dich bei mir haben, richtig kennen lernen, damit ich Dich besser versteh, Dich lieb haben, und behalten und ni mehr hergeben am besten der Krieg war aus, dann findet sich alles allein. Doch nun hoff ich auf in baltiges gesundes wiedersehn in der Heimat
Dein [Ellachen]
Ich soll auch noch schön grüßen, von Frau R. Ihr Mann war vor vir Wochen auf Urlaub, doch Ihr seid ja nicht mehr zusammen und so weißt Du das sicher nicht. Sie brachte Ihren kleinen Klaus mit der ist zu nidlich.
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Ella Müller
Ella Müller, geb. Schumann, wurde 1921 geboren. Ihre Eltern hatten in Lohbrügge einen Selbstversorgerhof mit Kleintierhaltung, vertrieben ihre Produkte in einem kleinen Laden und auf dem Großmarkt. Sie hatte einen Bruder, der auch Soldat bei der Wehrmacht war. Sie war sehr eingebunden in den Betrieb
Lohbrügge
Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil