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[LBR-421004-005-01]
Briefkorpus

Im Osten, am 4. Oktober 1942.

Mein liebes gutes [Ellachen]!

Schon vor einigen Tagen bekam ich Deinen Luftpostbrief. Ja [Ellachen], so ungefahr [sic] hatte ich mir Deine Antwort auch vorgestellt. Ich kann mir vorstellen das [sic] Du nicht verstehst warum ich mich zur Infanterie gemeldet hab. Ja warum wohl. Ich weiß es, doch schreiben kann ich es nicht. Es wurden Freiwillige gesucht; und dann haben sich eben 2 Mann in unserer Komp. gemeldet. Schade, die Sache scheint bei der Meldung zu bleiben. –

Ja [Ella], Dein Bruder hat wirklich Pech. Für Ihn [sic] und Deine Mutter ist das hart. Die leiden wohl am meisten darunter. Aber es hilft ja alles rein garnichts. Der Krieg muß und wird gewonnen werden. Ganz gleich was es kosten mag. Denn wo heute einer ausfällt muß morgen schon ein anderer stehn. –

Bei uns ist es bereits Spätherbst geworden. Die Blätter fallen mit Macht. Macht man draußen mal einen kleinen Rundgang, merkt man unwillkürlich wie sich schon wieder alles auf den Winter umstellt. Mensch, Tier und allen voran die Natur. Ich möchte stundenlang durch den Wald wandern. – das Laub raschelt zu Füßen, die Erde riecht so frisch und kühl, man hört keine Singvögel mehr; es ist alles, aber auch alles genau so, wie vor Jahren daheim, alls [sic] noch Friede war. Nur eines ist anders heute. Die Luft ist hell und klar! Luftgeschwader donnern zur Front! Kommen und gehen, ununterbrochen. In der Ferne hört man das Brüllen der Schlacht. Deutsche Männer kämpfen um ihre Heimat. Und ihre Zukunft. Um ihr Glück. Ununterbrochen schon über ein Jahr – – –

Aber recht hast Du doch, [Ella], der Mensch denkt und Gott lenkt. –

Dein [Albert].

Ich habe noch gerade die neuesten Aufnahmen bei der Hand. Hoffendlich [sic] gefallen sie Dir und machen Dir Freude.

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Autor Albert Müller
Korrespondenz Lohbrügge
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Über den Autor

Albert Müller

Albert Müller wurde 1919 geboren. Seine Familie kam aus Escheburg in Schleswig-Holstein. Auch in anderen schleswig-holsteinischen Orten hatte er Verwandtschaft. In seinen Briefen machte Albert Müller oft Andeutungen, dass es Geheimnisse bezüglich seiner Eltern gebe, die er erst später preisgeben

Über die Korrespondenz

Lohbrügge

Fotografie einer handgeschriebenen Liste mit Zahlen, aus dem Konvolut Lohbrügge, die Briefdaten sortiert.

Der Briefwechsel von Ella und Albert Müller befindet sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Erhalten sind fast 900 Briefe und Postkarten. Gesammelt wurden sie von Ella Müller, die Briefe von ihrem Ehemann, aber auch von Familienangehörigen aufbewahrte, zum Teil

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