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[NGM-401004-003-01]
Briefkorpus

9.

4. Okt. 40.

8.10.40 [*]

Meine liebe [Hannelore]!

Nun ist das besondere Päckchen reisefertig. Die Süßigkeiten, auf die ich gewartet habe, sind gestern von der Battr. eingetroffen. Denke nicht, daß man diese gesuchten und gefragten Sachen noch im freien Handel kaufen kann. Woher die Battr. die Schokolade hat, weiß ich nicht, ist uns auch völlig gleichgültig. Uns interessiert nur die Qualität und Quantität und Häufigkeit der Verteilung solcher Besonderheiten. Ich bin überzeugt, daß Euch die Schokolade munden wird, hoffentlich kommt sie einigermaßen ungebrochen an. Und den Hut habe ich mit besonderer Sorgfalt einzupacken versucht. Ich würde mich gewaltig ärgern, wenn gerade dieses Päckchen nicht überkommen sollte. Schreibe bitte immer, ob überhaupt alle Post, (Karten, Briefe + Päckchen) angekommen ist. – In den nächsten Tagen werde ich noch ein Päckchen abschicken, aber nicht an Dich adressieren, doch Du sollst auch davon kosten. So haben wir gestern in der Battr. einen Freudentag gehabt. Alle Kameraden sind tapfer dabei und schreiben und packen. Jeder will seinen Lieben in der Heimat eine Freude bereiten. Und indem wir Freude in der Heimat hervorrufen, freuen wir uns hier auch. Mag gerade in diesen Tagen die Battr. Post zu tun haben; ich möchte wirklich kein Urlauber sein und die Postsäcke nach Hamburg mitschleppen, denn es handelt sich immerhin um einige Zentner. –

Gestern habe ich auch an die Bergedorfer Sparkasse geschrieben, daß sie Dir meine Kontoauszüge schickt. Falls Du Dich noch nicht wegen der Überweisung erkundigt hast, so kannst Du das aus den Auszügen ersehen. Außerdem geht aus den Auszügen hervor: die Höhe des jetzigen Gehaltes, die Nachzahlung wegen der Verheiratung, die Zahlung der Miete. Falls Du Geld benötigst, hoffe ich, daß Du mit Ausweis von meinem Girokonto 6210 jetzt abheben kannst. Vielleicht mußt Du auch eine besondere Einwilligung von mir vorlegen. Aber solange Du keine großen Ausgaben hast, die Kohlen sind ja noch nicht geliefert worden, wirst Du aus Deiner Kasse die Kosten tragen, nicht wahr? Aber äußere Dich mal über diese Frage.

Soeben ist die Post eingetroffen. Nun ist das Paket dabei, von dem Du schriebst. Der Inhalt erfreut mich, aber Zigaretten brauchst Du mir wirklich nicht zu schicken. Ich rauche mal eine aus Kameradschaft mit, die meisten, die ich von der Battr. bekomme, verschenke ich an Kameraden. Die Karte vom 1.Okt. ist ebenfalls soeben eingetroffen. Den Hutkauf kann ich nun nicht mehr rückgängig machen. Ihr müßtet euch vor der Äußerung des Wunsches klar werden. Über den Wollstoff mußt Du auch Näheres schreiben, außerdem hat man die Verschickungsschwierigkeiten. Nach Gummiband habe ich schon verschiedentlich vergebens gefragt.

Herzliche Grüße

Dein [Heinrich]

[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]

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Autor Heinrich Wilmers
Korrespondenz Neuengamme
Gesendet nach
Über den Autor

Heinrich Wilmers

Abbildung von der Vorderseite eines Notizbuchs in Leder von Heinrich Wilmers.
Ba-NGM K02.Pf1_A4, Notizbuch Heinrich Wilmers, Datum und Ort unbekannt.

Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst

Über die Korrespondenz

Neuengamme

Abbildung mehrerer Bündel Briefe aus dem Konvolut Neuengamme, von Kordeln zusammengehalten, in einem Schuhkarton durcheinander gewürfelt.

Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost