15.
16. X. 40.
21.X.40. [*]
Meine liebe [Hannelore]!
Nun habe ich mich doch für Nr 1 entschlossen. Beiliegend findest Du wohl auch den Zettel mit den Maßen meines jetzigen Pullunders. Wie ich gemessen habe, soll aus der kleinen Skizze hervorgehen. Ob Du mit den Zahlen überhaupt was anfangen kannst, lasse ich offen.
Günter hat doch auch (welche) Pullunder, kannst Du die nicht zum Messen benutzen? Die Hauptsache ist, daß er nicht zu kurz wird. Mit dem Anfertigen brauchst Du Dich wirklich nicht beeilen, denn ich weiß noch nicht, ob ich ihn überhaupt hier tragen werde. Vielleicht lasse ich den grauen Pullover durch Dich schicken, zuvor müßte er aber verlängert werden. Geht es nicht, daß eine neue Bauchmanschette angestrickt wird? Falls ja, dann schicke mir bitte eine Wollprobe dazu, damit ich Dir etwa passende Wolle dazu kaufen kann. So ist er reichlich kurz, es zieht leicht unangenehm im Rücken. Vorläufig benötige ich ihn noch nicht, denn 7 Wollsachen (Pullover + Pullunder) habe ich ja hier. Außerdem wünschen wir hier gar nicht allzu starke Kälte. Einen Winter wie 1939/ 40 möchte ich hier nicht gern mitmachen, unser Bau ist doch zu sehr ventiliert. Gewiß, allmählich gewöhnt man sich auch an Zugluft.l
In diesen Tagen herrschte hier wunderbares Wetter, zwar lag fast bis Mittag Nebel über der Landschaft, aber dann kann die liebe Sonne ihre warmen Strahlen uns spenden.
Und abends guckt der freundliche Mond auf uns herab. Ich denke oft, das sind 2 Körper, die uns gleichzeitig beleuchten, die wir gleichzeitig sehen können. Manchmal, wenn ich abends den Mond so leuchten sehe, lasse ich Dich durch ihn grüßen. Erfüllt er seinen Auftrag?
Gestern erhielt ich die Bergedorfer Zeitungen. Mein früherer Gefr. Sch. stand als Verlobter drin. Außerdem la s ich die Anzeige von dem alten G.. Danach habe ich noch eine Erdenzeit von 60 Jahren. Willst Du solange mitmachen? Heute ß kommt die Illustrierte an, aber ich habe sie noch gar nicht begucken können. Uffz. S. hat sie sich aus dem Posthaufen herausgefischt und beäugt sie im Augenblick. Nachher werde ich mich dran erfreuen.kommt
Vor wenigen Tagen schrieb mir Hans L. einen netten Brief. Er ist Kdo Führer, hat 20 Belgier unter sich, führt ein fabelhaftes Leben, ißt [sic] bei seiner Cousine und hat Wentorf längst vergessen. Alle 14 Tage hat er 3 Tage Urlaub. Demnach habe ich schon 9 Urlaubstage verdient. Er befindet sich in Bargfeld/Holstein.drei
Wohin die anderen Kameraden von Wentorf verstreut sind, weiß er auch nicht.
Ernst R. hat noch nichts von sich hören lassen. Mich soll mal wundern, ob wir uns hier wohl treffen werden. Mit dem Urlaub hier ist man äußerst kleinlich.
Wenn Du diesen Brief erhältst, bin ich schon 6 Wochen von Dir fort. Eine lange Zeit!
Herzliche Grüße
Dein [Heinrich].
[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]
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Heinrich Wilmers
Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst
Neuengamme
Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost