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Frankreich, 27. Nov. 1940
5. 2.40 [*]
Meine liebe [Hannelore]!
Ein Tag neigt sich wieder seinem Ende zu. Er war nicht schlecht und nicht schwer, obgleich er auch nicht sonnenreich war. Augenblicklich leuchtet die wirkliche Sonne wenig, es herrscht in diesen Tagen mehr Hamburger Wetter hier: leichter Regen rieselt nieder und dabei ist recht neblige Luft. Dieses Wetter ist wohl das beste Mittel, um Grippeerkrankungen hervorzurufen. Gott sei Dank bin ich von meiner Erkältung ziemlich wieder frei. Es ist jetzt schrecklich, so lange warten und stehen zu müssen, die Füße werden furchtbar kalt und ein Frösteln geht durch den ganzen Körper. Heute habe ich mir beim Fahrzeughinausschieben einen Hexenschuß zugezogen. Er scheint aber leichterer Art zu sein, denn jetzt habe ich s kaum mehr Beschwerden von ihm.noch
Am letzten Sonntag wollte ich mal wieder einen Brief nach Salzhausen geschrieben haben, aber ich kam nicht dazu. Gestern Abend erhielt ich nun ein Päckchen von Tante Dora, ganz groß! Der Inhalt war köstlich! Eine Flasche Heidmärker, den ich dort Ostern ja kennen lernte, außerdem Blut- und Leberwurst, frisch und wohlschmeckend. Weißt Du, was ich zuerst gekostet habe? Du denkst, natürlich den Schnaps. Es war nämlich so: wir hatten gerade stark zu Abendbrot gegessen, weil es vorher neue Verpflegung gegeben hatte, und dann soll es sehr bekömmlich sein, wenn man dem Magen so einen kräftigen spendiert, und da habe ich gleich die Flasche halb geleert. Das war schön, dabei konnte ich den Weg zum Magen genau verfolgen. Jetzt ist die Flasche noch brauchbar, sie kann wieder gefüllt werden. Die Wurst von Blut und Speck habe ich bis zum Ende probiert, die andere wird morgen ihren letzten Weg antreten.
Heute abend habe ich schon wieder tapfer gewaschen: Halsbinde, Mütze, Wäschebeutel für den morgigen Appell. Mit dem Appell in Sachen ist es hier überhaupt furchtbar, aber dennoch bin ich nie aufgefallen und herausgestellt worden, weder in der Garnison, noch an der Front oder hier im besetzten Gebiet. Über soldatische Ordnung und Sauberkeit hat man bei mir noch nicht Klage zu führen brauchen. Es ist nicht viel, aber es soll zum Abc der Wehrmacht gehören. Die liebe Post ist wieder eingetroffen. Ich wagte kaum, auf einen lieben Brief von Dir zu hoffen, aber Du hast mir doch die Freude gemacht. Dein Sonntagsbrief Nr 38 liegt vor mir. Übrigens wollte ich Dir neulich schon schreiben, daß ich hier genügend Streichhölzer zur Hand habe. Gut, daß Du keine schickst. Wenn Du die alten Latschen nicht finden kannst, so ist es auch gut. Sehr oft und viel kann ich sie doch nicht benutzen.
Gute Nacht, mein liebes süßes Frauchen!
Dein [Heinrich].
[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]
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Heinrich Wilmers
Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst
Neuengamme
Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost