Nr. 41.
Hbg. - Bergedorf, den 30. Nov. 40.
Mein lieber [Heinrich]!
Damit Du heute nicht ganz leer ausgehst bei der Post, will ich schnell ein paar Zeilen schreiben. Gestern habe ich von Dir zwei so lange Briefe im Empfang nehmen können u. habe mich einmal wieder freuen dürfen. Da Du so schön geschossen, hättest Du doch wirklich Urlaub verdient. Mein Onkel Wilhelm hat deswegen neulich auch 14 Tage bekommen, obgleich er vorher erst seinen regulären Urlaub hatte. Mit Deinem Weihnachtsurlaub müssen wir uns nun wohl überraschen lassen. - Bis jetzt sind noch keine Lehrer auf Grund der Reklamation zurückgekommen. Mutti hat neulich von M. gehört (ob sie es recht verstanden hat, weiß ich nicht), daß nur die jüngeren Lehrer bis Jahrgang 09 reklameriert würden. Dann würdest Du ja nicht darunter fallen. Aber davon hat der Schulrat neulich nichts gesagt.
Heute morgen war es auf dem Rad entsetzlich kalt. Es hatte ziemlich gefroren. Die Pfützen waren alle voll Eis. Es hatte den Vorteil, daß man nicht vollgespritzt wurde. An den Tagen vorher waren meine Strümpfe nämlich immer bis oben hin schmutzig. Das Radfahren muß ich wohl jetzt wieder aufgeben. Hände u. Füße waren heute morgen steif gefroren. Dann hatte ich noch die Geschenke für Ilse zu tragen. Heute ist ja nun die große Sache. - Unser Sessel ist jetzt auch fertig. Die Transportfrage war sehr schwierig. Der Möbelfritze selbst konnte ihn natürlich nicht herbringen. Die Marktautos fahren schon um 9 Uhr wieder aus Hamburg. Dann ist es ja aber noch dunkel u. er konnte den Sessel nicht dorthin befördern. Nun habe ich daraufhin noch mal mit Fr. K. verhandelt, u. bei einer Paketannahmestelle wird der Sessel jetzt am Tage zuvor abgegeben. So hat es (hoffentlich) also doch noch vor Weihnachten mit meinem Geburtstagsgeschenk geklappt. - Gestern abend bin ich schon früh ins Bett gegangen, heute soll ja die ganze Nacht durch gefeiert werden. Eine Anzeige habe ich gestern noch gar nicht bekommen. Mutti meinte schon, es sei wohl noch gar nicht so weit. Aber ich nehme an, daß Ilse wohl nicht genügend Karten hatte, u. da ich sie schon gesehen habe u. ja auch Bescheid weiß, habe ich keine bekommen.
Und nun herzliche Grüße
Deine [Hannelore]
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Hannelore Wilmers
Hannelore Wilmers, geb. Baumann, wurde 1917 geboren, sie lebte bis 1999. Sie war Tochter eines Lehrers und seiner Frau in Neuengamme. Ihr jüngerer Bruder war bei der SS. Hannelore Wilmers besuchte das Luisen-Gymnasium in Hamburg-Bergedorf. Dann arbeitete sie in einer Motorenfabrik als
Neuengamme
Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost