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[NGM-401210-003-01]
Briefkorpus

49.

10.XII.40.

16.12.40 [*]

Meine liebe [Hannelore]!

Der Sprung in der Nummerierung Deiner Briefe hat sich heute Abend geklärt. Zwei Päckchen von Dir sind eingetroffen, die vermutlich mit 44 + 45 bezeichnet sein werden. Du hast mir einen Streich gespielt! Natürlich machte ich große Augen, wie gleichzeitig 2 Päckchen von Dir angesaust kommen, habe sie von allen Seiten beguckt, konnte aber keinen besonderen Vermerk entdecken. Und so nahm ich kurzerhand mein Taschenmesser und ritzeratz waren die Bindfäden durchschnitten. Ich hob den Deckel und sah den Stopper. In dem Augenblick war ich vielleicht neugierig! Ich habe aber keine Hand zum Auspacken gerührt. So gerne ich um den Inhalt wissen möchte, so sehr werde ich mich beherrschen können und mir die Freude des Auspackens bis Heilig Abend aufsparen. 14 Tage sind es noch, da habe ich noch Menge Zeit nachzugrübeln, was Du wohl für schöne Sachen hineingelegt haben magst.

Heute ist nun ein Päckchen an Dich abgereist. Hoffentlich trifft es so ein, daß Du diesmal in den Genuß des Gespanntseins kommst. Bei Deinem Geburtstag gelang es ja leider nicht, da konnten die Päckchen den Weg in der ausgerechneten Zeit ja leider nicht schaffen. Wie mögen inzwischen meine Briefe bei Dir angerollt sein, ich denke, daß ich morgen im Brief Aufklärung von Dir bekomme.

Das Wetter war gestern und heute mehr als miserabel, es schneite und regnete fast ununterbrochen. Gott sei Dank wurden wir nur bis auf die Haut naß, abgesehen von dem Lehm, der Mantel, Hose und Stiefel zierte. Auf deutsch gesagt, Fahrzeuge, Pferde und Mannschaften sahen schweinemäßig aus. Aber man behält seinen Humor dabei! Was die Pferde leisten mußten, war außergewöhnlich. Es ging querfeldein, der Boden war stark aufgeweicht oder sumpfig, dabei hügelig, da kannst du Dir vorstellen, daß auf solchem Boden Fahrzeuge nicht leicht zu bewegen sind. Auch wir kommen bei unserem Laufen genügend in Schweiß. In dieser Zeit steigen noch mehrere Übungen, da wird der Schlaf nicht nicht immer ganz regelmäßig sein.

Heute mittag habe ich das Bett von Paul K. aus der Stube entfernt. Die Matratze wurde einfach mit einem Schwung aus dem Fenster geworfen, die anderen Teile habe ich auf den Boden getragen. Nun ist in der Stube schön Platz, wir können uns jetzt um den Tisch bewegen, haben für Gäste Platz und Sitzgelegenheit, doch es wird wohl kein Besuch eintreffen. – Wenn Du mal dran denkst, so könntest Du mir einen kleinen Pinsel mit Borsten zum Gewehrreinigen schicken. Der Stiel muß dünn sein. Du erinnerst Dich des Pinsels noch, den ich damals in Hamburg kaufte?

Herzliche Grüße

Dein [Heinrich].

[* = andere Handschrift, wohl notiertes Empfangsdatum]

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Autor Heinrich Wilmers
Korrespondenz Neuengamme
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Über den Autor

Heinrich Wilmers

Abbildung von der Vorderseite eines Notizbuchs in Leder von Heinrich Wilmers.
Ba-NGM K02.Pf1_A4, Notizbuch Heinrich Wilmers, Datum und Ort unbekannt.

Heinrich Wilmers wurde 1907 geboren. Seine Eltern waren Bauern in Niedersachsen. Er und seine Geschwister waren sehr in die Arbeit auf dem Hof eingebunden. Er hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen waren. Ein Bruder fiel 1944. Heinrich Wilmers war Lehrer, erst

Über die Korrespondenz

Neuengamme

Abbildung mehrerer Bündel Briefe aus dem Konvolut Neuengamme, von Kordeln zusammengehalten, in einem Schuhkarton durcheinander gewürfelt.

Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost