Nr. 50
Hbg. – Neuengamme, d. 10.12.40.
Mein lieber [Heinrich]!
Gestern erhielt ich Deinen Brief Nr. 45. Dir wird es also jetzt zu kalt u. Du möchtest Deinen Pollunder [sic] haben. Du meinst doch sicher den grauen. Pullover hast Du ja auch überhaupt geschrieben, da ist es ja auch klar. Anstricken konnte ich nun nichts, hier bekommt man gar keine Wolle, sie ist gesperrt. Aber zum Unterziehen wird es auch wohl so gehen. Der rote Pollunder [sic] ist fertig. Er wartet darauf, daß Du kommst. Die Handschuhe, die Mutti Dir gestrickt hat, sind ja rot mit beige durchwirkt. Eigentlich gehen sie ja nicht für einen Soldaten, aber ich habe Dir die Farben ja neulich auch schon mitgeteilt, u. Du hast trotzdem daraufhin geschrieben, daß Du sie haben möchtest. Heute nachmittag schicke ich alles ab. Wenn Du die Handschuhe dann nicht gebrauchen kannst, kannst Du sie ja immer wieder zurückschicken. Auch Knieschützer schicke ich mit. Papa sagt, die hätten ihm immer gute Dienste getan. – In der Zwischenzeit habe ich an Dich einige Päckchen abgeschickt. Es steht zwar drin, daß Du sie am Heiligen Abend erst öffnen darfst, oder, wenn Du auf Urlaub fährst, aber ich „erlaube“ Dir hiermit, sie schon gleich zu öffnen, um die warmen Sachen herauszuholen, die darin liegen, damit Du mir nicht verfrierst. Hoffentlich weißt Du, was Du mit den einzelnen Sachen anfangen mußt, wozu sie gedacht sind. Von außen hatte ich eigentlich keinen Vermerk bezüglich Weihnachtspäckchen gemacht, denn sonst wären sie wohl von der Batterie zurückgehalten worden. Falls Du dann Weihnachten auf Urlaub kommst, würdest Du sie sonst gar nicht vorher bekommen. Gestern bekam ich auch eine Karte von Deinem Vater. Er hofft, daß Du Weihnachten auf Urlaub kommst. Johannes, schreibt er, würde auch erwartet. Es hat eine Zeit gedauert, bis mir aufging, daß Hans damit gemeint ist. – Wilhelm aus Hamburg ist augenblicklich auf Urlaub. Er muß aber noch vor Weihnachten zurück. Grete [Baumann] wohnt ja in Hamburg auf einem Zimmer. Da stand er plötzlich eines Abend vor der Tür, u. ist bei ihr an dem Abend geblieben. Am nächsten Abend waren sie dann zusammen in der Staatsoper. August würde auch Ende der Woche erwartet. Er ist übrigens zum Oberleutnant befördert. Aug. u. Wilh. [*] wollten dann zusammen in die Heide u. Erika holen u. dann wieder zurück nach Hamburg u. tüchtig ausgehen. – Grete [Baumann] aus Bergen hat am 3. Jan. Hochzeit. Sie kommen alle noch dahin. In Nindorf soll es jetzt sehr schön u. modern eingerichtet sein. – Heute in 14 Tagen ist schon Heilig Abend. Ob Du dann wohl hier bist? Papa meint ja, daß Du kommst, weil Du die beiden Möglichkeiten schon in Erwägung gezogen hast, sonst hättest Du wohl geschrieben, daß Du Weihnachten nicht kommst. Wenn Du also selbst sogar schon die Hoffnung hast, wird es wohl was werden. Helmut Curslack hat Weihnachten u. Neujahr Urlaub. Er kommt wahrscheinlich am 20. Wir wollen beide das beste hoffen.
Herzliche Grüße
Deine [Hannelore]
[* = August und Wilhelm]
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Hannelore Wilmers
Hannelore Wilmers, geb. Baumann, wurde 1917 geboren, sie lebte bis 1999. Sie war Tochter eines Lehrers und seiner Frau in Neuengamme. Ihr jüngerer Bruder war bei der SS. Hannelore Wilmers besuchte das Luisen-Gymnasium in Hamburg-Bergedorf. Dann arbeitete sie in einer Motorenfabrik als
Neuengamme
Die Briefe von Hannelore und Heinrich Wilmers befinden sich im Archiv des Kultur- und Geschichtskontors in Hamburg-Bergedorf. Über 1600 Briefe und Karten wurden von den Autoren nummeriert, sortiert und sorgfältig zu je 100 Stück gebündelt aufbewahrt. Die von Hannelore Wilmers verwahrte Feldpost